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So weit so gut

07. 03. 2010 Köln, Hamburg, Köln, Hamburg, Köln, Hamburg, Köln, Hamburg...

Freitag, Oktober 17, 2008

Die Rescue Diver von Apo Island


7 Tage in einem wahren, friedlichen philippinischen (Taucher-)Paradies liegen hinter uns. Klitschnass, mit zerzausten und total verknoteten Haaren von der Bootsfahrt, mit Sand und Salz auf der Haut wurden wir gestern auf dem Festland abgesetzt.

Henning bei Sonnenuntergang auf unserem Balkon

Im Flugzeug von Bangkok nach Manila entschieden wir uns gegen 4 Uhr morgens fuer eine Planaenderung. Eine Entscheidung, die allerdings schon laenger darauf wartete, getroffen zu werden. Urspruenglich wollten wir, bevor wir weiter auf die Inselgruppe Visayas reisen, noch einen anderen Teil der Philippinen sehen: Palawan. Palawan ist, gerade in der momentanen Regenzeit, Malaria-Endemiegebiet. Malaria macht mir schon Angst, wenn ich nicht mehr alle Zeit der Welt wie in Suedamerika habe, sondern nur 3,5 Wochen Urlaub. Ausserdem entschieden wir uns aus Zeitgruenden dafuer, Palwan zu streichen.
Wir suchten uns also Apo Island als unser naechstes Ziel aus dem Lonely Planet. Der Insel wird nur ein winziger Absatz gewidmet, aber der hoerte sich traumhaft an. Wir waren auf der Suche nach einem winzigen Paradies abseits der Touristraende auf anderen Inseln.
Am Flughafen in Manila kauften wir uns also Flugtickets nach Dumaguete auf der Insel Negros, der Flug ging zum Glueck bereits zwei Stunden spaeter!

Apo Island ist eine 74 Hektar kleine Insel inmitten der philippinischen Inselgruppe "Visayas".

Zur Orientierierung hier ein Google Maps Link:
http://maps.google.com/maps?f=q&hl=en&geocode=&q=apo+island+philippines&sll=37.0625,-95.677068&sspn=48.956293,79.101563&ie=UTF8&ll=10.34194,123.914795&spn=3.830658,4.943848&z=8

"Liberty's Lodge und Paul's Diving", das Meer, die Sonne und die Menschen gaben uns alles, was wir zum totalen Gluecklichsein brauchten.
Die Lodge war fuer Inselverhaeltnisse schon luxurioes und superschoen, fuer unsere Verhaeltnisse aber doch eher einfach - auf der ganzen Insel gibt es kein fliessendes Wasser und keine 24h Elektrizitaet, geduscht wird per Eimer mit Regenwasser, Strom gibt es ueber den Tag verteilt je fuer 2-3 Stunden. Wie immer beim Backpacken oder Campen war es auch hier schoen, so einfach und in der Natur leben zu koennen, mit suessen kleinen Geckos ueberall.
Unsere Zimmer mit Balkon direkt zum Meer, die grosse Terrasse mit Restaurant und Kuehlschrank fuer kaltes Bier, alles war absolut genauso, wie wir es uns wuenschten.
Blick von unserem Zimmer ueber den Balkon aufs Meer

Regenzeit - in 5 von 7 Naechten prasselte Regen auf unser Holzdach und Sturm sorgte fuer etwas ersehnte Abkuehlung. Es regnete nur nachts, die Tage waren meist perfekt hell und wolkenlos

Die Insel hat 150 Haushalte und 800 Einwohner, da auf jedes kleine Haus 5 Personen gerechnet werden.
Von unserem englischen Divemaster David, der seit 8 Jahren auf Apo lebt, erfuhren wir in der Woche viel Interessantes ueber die Insel und das Leben in den Philippinen.

Das Dorf auf Apo Island ist in 7 "Puroks", Dorfgemeinschaften oder Siedlungen, eingeteilt. Jedes Purok hat ihr eigenes kleines Clubhuettchen, das liebevoll gepflegt und an Tauchgaeste fuer deren Pausen "vermietet" wird. Mit diesem Geld werden die Puroks zum jaehrlichen grossen Apo-Fest am 4. und 5. April hergerichtet. Jedes Jahr gibt es einen Contest unter den Siedlungen, 2007 lautete die Aufgabe "Tanzen", die Aufgabe aus diesem Jahr lautete: Wer hat die schoenste Purok-Huette?

Angekommen beim interessantesten Thema, Tauchen, will ich euch jezt endlich einige unserer Taucheneindruecke zeigen. Da Henning in Bangkok zum Glueck noch seine Unterwasserausruestung vervollstaendigen konnte, koennt ihr ganz uneingeschraenkt daran teilhaben - ueber und unter Wasser!
Etwas benommen nach dem allerersten Tauchgang nach zwei Jahren

Ich auf dem ersten Tauchgang. Was man nicht sieht: Ich hatte noch ganz schoen gegen das Gefuehl, keine Luft zu bekommen, zu kaempfen (was bei der Sauerstoffflasche auf dem Ruecken ja Quatsch ist), und brauchte den ganzen Tauchgang, um mich wieder an die Ausruestung und an das Tauchgefuehl zu gewoehnen.

Alle Unterwasserbilder geben euch nur eine Idee und koennen niemals zeigen, wie schoen es wirklich dort unten ist. Ich hatte die Kamera nicht selbst in der Hand, glaube Henning aber, dass es wirklich schwer ist, vernuenftige Unterwasserfotos zu schiessen.

Es gibt noch diverse Unterwasservideos, das beste zeigt eine Green Sea Turtle. Da die Videos riesig sind, weiss ich nicht, ob ich es gleich noch schaffe, sie hochzuladen - sonst zuhause!

Am zweiten Tag hatten wir zwei Fun Dives, bevor wir uns abends fuer den PADI Rescue Diver anmeldeten und diesen am naechsten Tag mit David begannen.

Zwei Kurse mussten wir hierfuer absolvieren: Einen allgemeinen Erste Hilfe Kurs und den umfangreicheren Rescue Kurs. Der Kurs dauert mindestens 4 Tage und beinhaltet viel Theorie aus einem 170 Seiten dicken Manual und noch mehr Praxis im Wasser. (Lieben Dank an Frauke fuer die Manuals! Wir haben an dich gedacht, du haettest sicher auch sehr viel Freude an diesem Kurs!)
Den Rescue Diver Schein zu machen, bedeutet, mit Unfaellen und Problemen von Tauchern unter und ueber Wasser umgehen, Taucher aus dem Wasser retten und Erste Hilfe Massnahmen durchfuehren zu koennen. Der Kurs ist dementsprechend sehr umfangreich und forderte uns, gerade in der Praxis, sehr. Aber es ist so interessant!

David stellte uns des Oefteren auf die Probe. Besser gesagt: Er stellte meistens Henning auf die Probe, da ich das Glueck hatte, immer den philippinischen Dive Guide Jad retten zu duerfen, der leichter war und einfacher im Umgang, waehrend sich David fuer Henning waehrend eines Rettungsdurchgangs viele nette Details ausdachte. An einem Vormittag wurde uns das sichere Aufsteigen mit ohnmaechtigen und panischen Tauchern aus der Tiefe gezeigt. Waehrend Henning sich voll auf die Ausruestung, den richtigen Griff und das langsame Aufsteigen konzentrierte, zog David sich in gespielter Panik den Regulator, das Atemgeraet, aus dem Mund und so durfte sich Henning erstmal darum kuemmern, dass das Opfer wieder Sauerstoff bekommt.
Wie David uns immer sagte: Alles Situationen, die ihr erleben und auf die ihr vorbereitet sein muesst!

Super war, dass wir die Uebungen und Szenarien im Wasser immer mit Tauchgaengen verbanden. Auf dem Weg zur "Unfallstelle" oder auf dem Weg zurueck legten wir also mehrere Umwege ein und David zeigte uns so viele abwechslungsreiche Seiten der Riffs rund um Apo Island. Waehrend man in normalen Fun Dives je nach Dive Master meistens an der Riffwand entlangtaucht, zeigte uns David lieber das gesamte Plateau und eher ungewoehnliche Blickwinkel, die unseren Blick nicht nur auf die Meeresbewohner, sondern vielmehr auch auf atemberaubende Landschaften richteten!

Als Abschluss des gesamten Kurses mussten wir einen Theorietest bestehen und ein komplettes Szenario inklusive Notfallsauerstoffversorgung an Land durchspielen. Vorher versprach uns David zur Belohnung einen kompletten Tauchgang - nur zum Geniessen!
Wir glaubten ihm nicht und gingen fest davon aus, dass auf diesem Tauchgang etwas Unvorhergesehenes passieren wird und wir einspringen muessen. Nichts passierte - mit 30 bar Luft, also dem Sicherheitsminimum, tauchten wir nach 60 Minuten auf und kletterten nach dem anstrengenden Tauchgang mit starker Stroemung erschoepft aufs Boot. Dieser Tauchgang war ganz besonders schoen! Fuer mich vor allem wegen der Green Sea Turtle in Greifnaehe!
Entspannt und erschoepft sassen wir auf dem Boot, das uns wieder zur Lodge bringen sollte.

Und da passierte es: Ein Taucher schrie im Wasser um Hilfe und sank danach in sich zusammen. Dieses letzte Szenario war das Realistischste von allen und etwas Adrenalin breitete sich aus...Nach 15 Minuten war alles ueberstanden und Jad ueberlebte:).
Ungluecklichweise habe ich in dem Stress im Wasser seine Maske, die ich ihm fuer die Beatmung abnehmen musste, verloren. Wenn sie nicht wieder gefunden wird, muss ich ihm eine aus Deutschland senden.Abschliessend ein Blick ueber Apo Island von einem Leuchtturm auf dem hoechsten Punkt Apos. Nachdem ich erst wie ein Rohrspaetzchen ueber den Aufstieg in der schwuelen Hitze geschimpft habe, war der Ausblick dann doch richtig schoen. Wir kraxelten ueber eine verrostete Leiter auf den 20 Meter hohen Leuchtturm und hatten eine herrliche Rundum-Aussicht ueber Apo. Es sieht nach allen Seiten so aus wie aus diesem Foto! Groesser ist Apo nicht! In einigen Jahren hat Apo neben Solaranlagen uebrigens vielleicht auch einen Windkraftgenerator, um staendig Strom fuer alle zu haben.

...Es gibt noch sooo viel, was ich euch erzaehlen moechte. Unter anderem von unserem schoensten Abend auf Apo, an dem wir zu einem Fest des Puroks Nr. 1 eingeladen wurden, mit den Kindern gespielt und mit den Filipinos getanzt haben. Es gibt viele suesse, witzige Bilder und Videos, die ich vielleicht aber nicht mehr hochlade... wir haben nur noch 10 Tage auf den Philippinen! Das "stresst" ehrlich gesagt etwas. Ich bin es nicht mehr gewohnt, beim Reisen nicht alle Zeit der Welt zu haben, sondern nur 3 Wochen. Das hoert sich vielleicht sehr unverschaemt an. Aber es ist so kurz! Man ist so relaxed, hat keinen festen Plan, ist absolut spontan, nichts ist fix oder gebucht, und trotzdem ist die Zeit hier so begrenzt und man darf sich nicht vertroedeln. Seltsame Kombi.
Deshalb geniessen wir hier jeden Tag, jede Stunde...
Und machen uns jetzt auf den Weg einer 7-stuendigen Busfahrt in den Nordes Negros, wo in Bacolod das Masskara-Fest steigt und am Sonntag in ein tolles Finale gipfeln soll.

Bis bald!

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