www.reiss-aus.com und www.aroundtheworldticket.de

www.reiss-aus.com und www.aroundtheworldticket.de
Neidisch? Ihr wollt auch? Was haelt euch noch?

So weit so gut

07. 03. 2010 Köln, Hamburg, Köln, Hamburg, Köln, Hamburg, Köln, Hamburg...

Mittwoch, Februar 28, 2007

Carnaval

Karneval war ein geiles Erlebnis, und alles in allem komplett anders als ich es mir vorgestellt hatte. Warum, weiss ich im Nachhinein gar nicht mehr! So wie man manchmal, nachdem man einen Ort kennen gelernt hat, gar nicht mehr sagen kann, wie er vorher in der Vorstellung ausgesehen hat, weil man nur noch das neue Bild im Kopf hat.

Die drei wichtigsten und bekanntesten Staedte des Karnevals in Brasilien sind Rio de Janeiro, Salvador und Olinda bei Recife.

Karneval ist vollkommen unterschiedlich in allen Bereichen des Landes und somit auch in diesen drei Hochburgen.

Hier kommt ein bisschen was ueber den Karneval in den drei Staedten, wenns eudch nicht interessiert, einfach scrollen...


Rio de Janeiro
Der Karneval von Rio erreicht seinen Höhepunkt in einem zweitägigen Umzug, der im "Sambódromo", einem in Form einer Tribünenavenue errichteten Karnevalsstadion, stattfindet. Während eines Jahres bereiten sich in den "Escolas de Samba" Tausende auf dieses Ereignis vor: Musik, Tanz und Formation werden immer wieder einstudiert, Themen diskutiert, Texte geschrieben, Lieder komponiert, Allegorien hergestellt, Kostüme entworfen und geschneidert. An den Umzugstagen präsentiert jede der grossen "Escolas" zwischen drei- und sechstausend Menschen im Sambódromo. Der Umzug ist wie eine Fussballliga in eine erste, zweite und dritte Division geteilt, mit Auf- und Abstieg. Eine Jury aus Punktrichtern beurteilt nach einem akribisch festgelegten Kriterienkatalog Originalität, Rhythmus, Choreographie, Tänzer, Kostüme, den Allegoriewagen und das Sambathema. Jede "Escola" hat wie ein Fussballklub "Torcedores" (Anhänger). Prestige kann eine Sambaschule gewinnen, wenn sich Prominente zu ihr bekennen oder in ihren Reihen tanzen.
Das Zusammenspiel aller Teile ist neben der peniblen Einhaltung des Zeitlimits für den Erfolg massgebend. Die Namen der Sambaschulen gehen in der Regel auf die Stadtteile, aus denen sie stammen, zurück. Es handelt sich dabei nicht um die Viertel der Reichen, sondern eher um die der Mittelschichten, der kleinen Leute und der umliegenden "Favelas" (Armenviertel).


Bahia - Salvador da Bahia
Salvador ist das Zentrum des grössten Strassenkarnevals der Welt. Von Mittwoch bis Aschermittwoch wird durchgetanzt nach dem Rhythmus der zahlreichen, auf ungetümen Lautsprecherwagen spielenden "Trio Eléctricos" - besonderes Kennzeichen des bahianischen Karnevals. Anders als in Rio, wo die meisten Veranstaltungen in Clubs organisiert sind und die Karnevalsschulen durch ein Stadion ziehen, findet das Spektakel in Salvador fast ausschliesslich auf der Strasse statt. Geschichtlich gesehen ist der bahianische Karneval schon getrennt entstanden, so der Dichter und Forscher Antonio Risério. "Auf der einen Seite der "weisse" Karneval der Salons mit Bällen in geschlossenen Clubs, wo Quadrillen und Walzer getanzt wurde. Auf der anderen Seite der Karneval der Schwarzen, der Karneval der Strasse, zum Samba der Batuques, zwischen Muscheln und Rasseln". Seither hat sich einiges geändert. Dennoch bleiben auch im Strassenkarneval Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft innerhalb der einzelnen Gruppen unter sich. Einzige Ausnahme ist zur Zeit Olodum, der auch bei der weissen Mittelschicht in Mode gekommene Afro-Block.


Pernambuco (mit Hauptorten Recife und Olinda)
Die dritte Karnevalshochburg von Brasilien liegt in Pernambuco. Es ist einer der ursprünglichsten und authentischsten Karnevals Brasiliens. Er begnügt sich nicht mit den drei herkömmlichen Karnevalstagen, sondern erstreckt sich über einen Zeitraum von mindestens zehn Tagen. Nirgendwo sonst beweist der Karneval eine solche Vielfalt an Traditionen, basierend auf indianischen, afrikanischen und europäischen Riten. Schrill spielen die Bläser die immer gleiche Melodie, diesen Ohrwurm, den nach einer halben Stunde Karneval garantiert jeder nachsingen kann. Der Ohrwurm ist ein "Frevo" und klingt wie Polka- und Cancanmusik gleichzeitig. Frevo tanzt sich vorwiegend in der Hocke, unterbrochen von akrobatischen Sprüngen. Dazu schwingt der Könner ein kleines aufgespanntes Schirmchen über dem Kopf, um das Gleichgewicht zu halten. Was der Samba für Rio, ist der Frevo in Recife und Olinda. Durch die engen und steilen Gassen Olindas, die "Ladeiras", bewegen sich noch Umzüge ohne die üblichen Lautsprecherwagen und ohne die obligatorischen Sambaklänge. Neben dem Frevo bestimmen Blasorchester mit Tumbas und Posaunen das Bild sowie rurale afrobrasilianische und indianische Tanz- und Spielgruppen wie die farbenprächtigen Maracatús,
Bumba-meu-bois und Caboclinhos. Die "Chocalo"-Glocken der Kostüme der Männer wiegen über 45 Kilo, und die Frauen in diesen Blocos tragen reich bestickte Brokat-Kostüme. Das närrische Treiben ist voller Magie, Folklore und Phantasie und repräsentiert mit Sicherheit den eigenartigsten Strassenkarneval Brasiliens.


Mein Karneval
Ich entschied mich fuer den Karneval in Olinda, da hier wie beschrieben der Karneval am authentischsten und privatesten ist. Die Stadt ist klein und ueberschaubar, alles zu Fuss erreichbar. Ich mag keine Menschenmassen - wenn ich mitten drin stecke. Ich mag mich auch nicht betatschen lassen im dichten Gedraenge nach verstecktem Geld oder einfach, weil ich eine Frau bin, und da ich als Alternative auch nicht viel fuer den Eintritt in die sicheren Karnevalsbloecke in Salvador (sowie fuer den Eintritt in das Sambastadion in Rio) zahlen wollte (100 - 1000 Reais pro Tag!), erschien mir Olinda perfekt.

Die Jugendherberge versprach mir ein 4-Bett-Zimmer... das sich mitten im Karneval ploetzlich in ein knallenges und sauheisses 8-Bett-Zimmer verwandelte.

Das ganze Hostel war voll - nicht nur Gringos, auch viele Brasilianer. Sofort waren wir eine grosse Gruppe, in der jeder mit jedem feiern konnte. Das Hostel bestand aus mehreren kleinen Haeusern, die einen Pool und eine grosse ueberdachte Flaeche mit Kueche, Tischen und vielen Haengematten umzingelten. Perfekt fuer Chillen und Party! Ich weiss nicht, wie viele Caipirinhas und Capetas (das Zeug macht munter - aus Schokolade, Cachaca oder Vodka, "Amazonaskoffein" Guaraná und Milch!) ich in den 5 Tagen Karneval trank... es waren viele! Morgens ging die Party auf den Strassen bereits los: Umzuege ueber Umzuege, zu Frevo und afrikanischen Trommelschlaegen tanzende Menschen ueberall.

Olinda ist der bisher heisseste Ort in Brasilien, sogar heisser als der Amazonas. Fuer uns Ungeuebten eine schwere Aufgabe... so konnten wir echt nicht jeden Tag komplett wie die Einheimischen durchhalten, sondern hoechsten 3 Stunden mitlaufen und anschliessend wieder im Pool verschwinden. Aber die Zeiten tagsueber in den Paraden waren die schoensten. Das Symbol des pernambucischen Karnevals ist ein bunter Regenschirm, mit dem auch getanzt wird.

Natuerlich waren wir voll ausgestattet mit Regenschirm, Regenschirm-Ohrringen und Oberteil sowie Blumenketten und Spruehschaum (wie die Kinder!)!

Abends ging die Party dann weiter mit grosser Hauptbuehne auf dem Platz und Bands.

Waehrend des Karnevals denkt glaube ich niemand je daran, dass die Zeit einmal enden koennte. Von mir aus haette es einfach so weiter gehen koennen, und irgendwie bin ich auch wirklich davon ausgegangen. Als es ploetzlich hiess "Morgen ist letzter Tag" (und ich an dem Tag auch noch den Kater meines Lebens hatte), konnte ich es kaum glauben!

Als ich dann einen Tag nach Karnevalsende morgens auf die Strasse trat, glaubte ich meinen Augen und Ohren kaum. Die Strassen waren leer und alles war ruhig! Wie seltsam einem diese Stille ploetzlich vorkam. Unglaublicherweise war fast alles wieder sauber!

Am spaeten Nachmittag sah Olinda aus wie vorher, und auch Recife, das ich auf meinem Weg zum Flughafen sah, war sauber bis in die letzte Ecke (nagut, in der lag manchmal noch ein riesiger zusammengefegter Muellhaufen herum). Karnevalsgeuebt und gut organisiert, die Brasilianer!
(Fotos vom Karneval kommen erst spaeter, ich finde mein Kabel nicht)
Eigentlich wollte ich nach dem Karneval nach Salvador. Meine Freundin Ellen, Brasilianerin, mit der ich vorher schon in Praia da Pipa und Joao Pessoa war, wohnte dort den Karneval ueber bei einer Freundin und lud mich ein.

(Uebrigens wollte auch sie den Karneval eigentlich mit mir in Olinda verbringen. Dieses verrueckte Huhn ist aber so Salvador-karnevalssuechtig, dass sie jedesmal, wenn sie Salvador-Musik hoerte, Gaensehaut bekam und Traenen in den Augen hatte, so dass ich sie letztendlich ueberzeugte, doch nach Salvador zu fahren). Sie sagte: Man wisse ja nie, ob sie nicht naechstes Jahr verheiratet waere, und ab dann gaebe es keinen richtigen Karneval mehr im Leben, denn zum Karneval gehoert Kuessen Kuessen Kuessen!

Irgendwie war mir ploetzlich nicht mehr nach Salvador und langen Busfahrten bis in den Sueden. Irgendwie geschah das gleiche wie im Norden Perús, als ich ganz spontan nach Iquitos flog: Ich brauchte einen Tapetenwechsel. Noch dazu hatte ich das Gefuehl, dass mein Geld mir einfach so zwischen den Fingern durchrinnt, und wenn ich auf mein Konto schaue und mir ueberlege, wo ich davon noch mit hin moechte (zum Beispiel zurueck nach Lima, weil ich von dort ja fliege)...hui. Und dann... ja, kam auch ploetzlich so eine grosse Freude auf Zuhause auf. Wie ich sie vorher noch nicht hatte. Alles in allem hatte ich also den dringenden Verdacht, dass ich einfach sehr schnell raus muss aus dem momentan teuren Brasilien. Und vorher noch Rio de Janeiro, damit ich ENDLICH mal dort bin und Iguacu.

Also entschied ich mich, alles zu kippen, auch wenn es wahrscheinlich sehr schade ist und ich mich sicherlich irgendwann fragen werde, warum ich das verdammt nochmal getan habe. Aber mit solchen Gedanken kann man ja keine Entscheidungen treffen im Leben (ha! Und das von mir, der schnellsten und sichersten Entscheidungstrefferin des Jahrhunderts!).

Also habe ich am Flughafen das Schnaeppchen meines Lebens geschossen: das Flugticket von Recife nach Rio.

(Rio wird hier uebrigens Hio ausgesprochen, die Brasilianer rollen eh total selten das 'r', forró, ein Musikstil aus dem Nordosten, wuerde im spanischen stark gerollt werden, wird hier aber fohó gesprochen. Perfekt eigentlich fuer mich, da ich das 'r' ja immer noch nicht rollen kann!)

Am naechsten Morgen landete ich bereits in Rio und hatte hier eine der geilsten Zeiten der Reise ueberhaupt.

Ich lernte supernette Menschen kennen und meine Tagen waren voller spannender Aktivitaeten.

Ein Highlight: Die Karnevalsparade!

Karneval in Rio ist zwar schon vorbei, aber die sechs Gewinner-Sambaschulen veranstalteten am Samstag eine letzte Parade durch das Sambódromo!
Perfekt!

Nachdem ich in Olinda natuerlich ueberhaupt nichts von dem Karneval, den wir aus dem TV kennen, gesehen habe, war es jetzt umsomehr soweit.

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie grossartig, kreativ, glitzernd, witzig, ausgefallen, schoen die Kostueme der Sambaschulen waren! Und die Musik...und die Sambataenzerinnen...wie kann man denn bitte SO mit den Hueften wackeln?

Wow! Ich haette anfangs nicht gedacht, dass ich von 21.00 bis 4:30 nachts durchhalten kann. Aber jede Sambaschule ist anders, hat ihre eigene Musik und begeistert aufs Neue. Jeder tolle Wagen, jedes tolle Kostuem bringt wieder ins Staunen, keine Chance, muede zu werden!

Ach, was rede ich hier, ich muss euch einfach mal Bilder zeigen.

Ich hatte meine Kamera nicht mit, dafuer ein Oldenburger, mit dem ich dort war. Die Fotos kann ich mir also erst in Deutschland in Oldenburg abholen, aber dann lade ich noch die besten Bilder hoch.

Das zweite geniale Erlebnis war Fussball, Halbfinale zwischen zwei lokalen Mannschaften, Flamengo gegen Vasco.

Flamengo gewann im Elfmeterschiessen 1:3. Das Stadion war leider nicht voll, da die Tickets fuer dieses wichtige Spiel ueberteuert verkauft wurden. Immerhin waren trotzdem 70 % der Plaetze im drittgroessten Stadion der Welt belegt, was mehr als ausverkauft in vielen deutschen Stadien bedeuten wurde! Die Stimmung: geil, das Stadion bebte. Aber ich musste leider feststellen, dass die Flamengo-Fans absolute Erfolgsjubler sind. Wenn es zwischendurch schlecht lief, zum Beispiel in der gesamten zweiten Halbzeit und zu Beginn des Elfmeterschiessens, kam da nichts.

Dafuer, als es wieder gut lief und am Ende gesiegt wurde, umso lauter und heftiger!

Uebrigens wollte ich auch noch eine gefuehrte Favela-Tour machen, die die Frau im Hostel dann aber total verpeilt hat und deshalb fuer mich ausfiel. Wenn ich bald mal Zeit habe, schreibe ich euch sehr Interessantes ueber die groesste Favela Rios, "Rocinho".

Das wars erstmal!
Bin in Foz do Iguacu, 25 Minuten Busfahrt von Paraguay und Argentinien entfernt.
Ciaoi!

Montag, Februar 26, 2007

Reiseziele

Denkt an mich, ich gehe auf Mission! 22 Stunden Busfahrt nach Foz do Iguacu, um einige der schoensten Wasserfaelle der Welt zu sehen.

Wie Rio de Janeiro war auch Iguacu schon immer einer der wichtigsten Punkte meiner "Reiseliste" - gefolgt von Buenos Aires, wohin ich mich in weiteren 16 Stunden Busfahrt von Iguacu aus begebe. In Perú habe ich oft an meine folgende Reisezeit gedacht und dabei waren die Orte, dir mich am meisten gezogen haben, diese drei plus Amazonas. Unglaublich war fuer mich der Gedanke, irgendwann in den naechsten Monaten wirklich auf der anderen Seite des Kontinentes zu sein, an diesen Orten, von denen man schon so viel gesehen und gehoert hat, aber sich trotzdem nicht vorstellen kann, wie es sich anfuehlt, selbst dort zu sein.
Ihr habt bestimmt auch mehrere Orte auf der Welt, die ihr unbedingt mal erleben moechtet, und vielleicht wisst ihr nicht einmal genau, warum. Kuala Lumpur - mit 16 mein Lieblingsstaedtename und ich wusste noch nicht einmal, wo es liegt! Und vor 14 Monaten war ich endlich dort und war begeistert, vielleicht tatsaechlich einfach aufgrund der Tatsache, an einem Ort zu sein, der in meinen Gedanken immer irgendwie existiert hat und mit den wahrscheinlich wildesten Vorstellungen verknuepft war. Wie muss es sich wohl anfuehlen, in Rio auf dem Zuckerhut zu stehen und die Stadt, die sich wohl den schoensten Platz der Welt gesucht hat, bei Sonnenuntergang zu sehen? Jetzt weiss ich es: GEIL!
Genauso ging es mir schon im Amazonas - so unglaublich, endlich dort zu sein! Ich erinnerte mich ploetzlich daran, wie ich mir als Kind vorgestellt habe, im Dschungel zu leben, und wie schoen diese Vorstellung fuer mich war, schlafend auf weichem Moos, im Nieselregen (Dschungel ist ja feucht, also gibts wohl immer Nieselregen dachte ich mir), alles gruen um ich herum und BUNT - na, wegen der wilden Tiere und Papageien natuerlich, die ueberall sitzen.
Wirklich an einen solchen Ort zu kommen ist unglaublich und hinterher fragt man sich ploetzlich: "Wie habe ich ueberhaupt gelebt, ohne diesen Ort zu kennen?"
Meine Reise kommt mir momentan und im Rueckblick als eine Aneinanderreihung von alten Traeumen und Superlativen vor, und gerade jetzt geniesse ich jeden Tag.
Na, merkt ihr was? Ja, es naehert sich langsam dem Ende.
So, genug davon! Nun aber los!

Sonntag, Februar 25, 2007

RIO! KARNEVAL! FUSSBALL!

Hallo ihr Jecken!
Es gibt so viel zu erzaehlen vom Karneval und drumherum - die guten Partys in Olinda mit super Leuten, mein Spontanflug nach Rio de Janeiro (am gleichen Tag zum ersten Mal dran gedacht wie gelogen:)) und der "wow!"-Karnevalsumzug gestern nacht mit Rios sechs besten Sambaschulen!
Heute nachmittag bin ich uebrigens im beruehmten Maracanã-Stadion in Rio anzutreffen, dem drittgroessten und vielleicht bekanntesten Stadion der Welt. Halbfinale zwischen zwei regionalen Mannschaften, Flamengo und Vasco.

Meine Tage sind momentan so vollgestopft mit richtig geilen Aktivitaeten, dass ich keine Zeit habe zu schreiben geschweige denn Fotos hochzuladen. Bald kommt es hoffentlich, aber heute darf ich mich erstmal verabschieden mit folgender kleinen Belehrung:

Wie kuerzlich gepostet wurde, manchmal muss man einfach weit weg fahren, um das Naheliegende zu suchen... so muss man auch nicht gleich auf Suedamerika schauen, um Korruption zu finden... auch ein Kleinstaedtchen wie Nordenham gibt manchmal anscheinend genuegend Stoff... bin gespannt auf mehr Geschichten aus der Heimat!

Donnerstag, Februar 15, 2007

Vielleicht doch lieber nach Afrika?

Uebrigens bin ich gerade naeher an Afrika, als am Sueden Brasiliens! Unglaublich riesig, dieses Land.
Mit einer brasilianischen Freundin, mit der ich schon in Praia da Pipa im Apartement gewohnt habe, habe ich nach Pipa zwei Tage in João Pessoa verbracht. Diese Stadt ist wohl kurz davor, zur zweitgruensten Stadt der Welt gekuert zu werden - wie Werbung in der Stadt sagt. Es ist aber auch wirklich GRUEN GRUEN GRUEN! Oft fuehlt man sich eher wie im Dschungel, als in einer Stadt - bevor man zwischen all dem Gruen wieder ein modernes Hochhaus entdeckt. Schoen, sauber, freundlich, untouristisch wuerde ich João Pessoa beschreiben. Mit wunderschoenen Korallenriffen, die man von natuerlichen Pools beschnorcheln kann. Waehrend unseres Aufenthalts leider nicht moeglich - das Wasser stand zu hoch!
10 km naha der Stadt liegt der Punkt "Ponta do Seixa", der die oestlichste Spitze beider Amerikas bildet.

Fotos kommen bald!

Kurze Nachricht: Heute um 19.00 geht es los, hier in Olinda beginnt um diese Uhrzeit mit einem Umzug offiziell der 5-taegige Karneval!
Das ist 23.00 bei euch in Deutschland.
Hey!

Schaut euch das an und ihr werdet suechtig...und ihr werdet nie wieder einen langweiligen Pauschalurlaub unternehmen koennen...ja, euch bleibt keine andere Wahl, als etwas NEUES zu testen...DIESE Form des Reisens!

Bis bald auf einem neuen Abenteuer!
Viel Spass beim AUSREIS(S)EN!

(Da ich fast die gesamte Bootsfahrt auf dem Amazonas und einige andere Abende mit Texten zugebracht habe, lege ich euch wirklich ans Herz, dies zu lesen. Und ausserdem ist´s natuerlich mehr als wert!)

Internetauftritt:
www.reiss-aus.com
Imagebroschuere: www.reiss-aus.com/broschuere.pdf

Sonntag, Februar 11, 2007

Gedanken

Es ist ja wohl als allseits angenommen zu bezeichnen, dass Menschen in den warmen Gebieten unserer Erde allgemein offener und lebenslustiger sind als Bewohner kaelterer Regionen, aber ich habe mir nie wirklich Gedanken darueber gemacht oder es ueberprueft.
(Es sei denn, ich wuerde zwei Sauf-Aufenthalte in Lloret de Mar in Spanien und zwei Wochen Hotelurlaub in Portugal mit 12 als "ich kenne die warmen Laender Europas" ausgeben.)
Und dass die Menschen in Malaysia unglaublich warm, interessiert, offen und superfreundlich sind, naja, das kann auch daran liegen, dass Malaysia in Asien ist und die Asiaten nunmal allgemein als ein superfreundliches Volk beschrieben werden.


So richtig mit dem Kopf vor die Unterschiede gestossen wurde ich erst in Iquitos, Perú.
Angebahnt hatte es sich schon, als ich durch den Norden Perús reiste, wo ich eine Offenheit fuehlte, die mir unbekannt vorkam... Irgendwie fiel mir hier schon auf, dass etwas anders ist.
In Iquitos erwartete mich dann der totale, aber positive, Kulturschock.
Natuerlich kam dazu, dass ich mich schon lange nach Waerme, Dschungel, irgendetwas, was nicht Anden ist (Abwechslung!), gesehnt habe. Ploetzlich befand ich mich also in einer ganz anderen Welt - die in Asien sein koennte.
Kinder in Iquitos sind so suess zum Anbeissen! Sie riefen mir auf der Strasse aus allen Ecken ein "Hola, Hola!" zu und freuten sich tierisch, wenn ich mich umdrehte und ihnen zuwinkte. Frauen laechelten mich an (nicht nur Maenner, wow!) und machten einfach so Komplimente: "wow, schoener Rock, Gringuita!".
Das Leben wirkt so leicht, entspannt und froehlich und ich fuehlte mich sofort wohlig aufgehoben in der Atmosphaere und in keinster Weise bedroht oder gefaehrdet.
Ist es die Hitze des Amazonas, die auf die Menschen wirkt?

Hier fiel mir erst auf, wie sehr ich dies vermisst hatte. Es war wieder so etwas ganz Neues, ueberraschendes - ich wusste gar nicht, dass es gefehlt hat, und war daher umso gluecklicher, es wieder zu erleben.
Iquitos war wie Malaysia fuer mich.


Superfreundlich und aufgeschlossen ging es weiter. Brasilianer sind einfach wow! Freundlich, hilfsbereit, haben immer ein Lachen bereit, wenn man ihnen eines gibt. Laecheln, die man in jedem Supermarkt, kleinen Geschaeft oder Bus bekommt sind wie Balsam auf der Selle eines Reisenden, wirklich! Ein scheiss anstrengender Tag, eine doofe Situation, in der man nicht so einfach wie frueher an die Information kommt, die man moechte, weil man portugiesisch nicht so gut versteht wie spanisch, all das wird so viel angenehmer durch einen freundlichen Menschen mit einem Laecheln, und ploetzlich weiss man wieder, warum man diesen schweren Rucksack durch ein fremdes Land schleppt.
Mir macht Brasilien so viel Spass!

Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass Menschen im Norden Perús freundlicher als im Sueden bzw. im Umkehrschluss, hoert sich noch schlimmer an, im Sueden unfreundlich sind. Der Sueden ist einfach verschlossener, schuechterner, das macht den ganzen Unterschied in der Wirkung auf Fremde.
So, wie Sueddeutschland als offener als die steifen, kalten Norddeutschen angesehen wird, und daher auf Fremde leichter, freundlicher wirkt.

Ich mag aber Norddeutschland - und ich mag Suedperú!
Ich habe dort Freunde und superviele nette Leute kennengelernt, und in den Situationen, in denen ich Hilfe brauchte, noch mehr Hilfe als ich dachte, erfahren.
Die erste Wirkung nach aussen kann keine Aussage ueber das Innere eines Menschen, ehrliche Hilfsbereitsschaft und Freundlichkeit machen.
Und oft denke ich mir, dass ich die Art eines Menschen, ihn erst "knacken", mit ihm erst warm werden zu muessen, bevor er fuer immer dein treuer und ehrlicher Freund wird, viel sympathischer finde.

Aber es ist die Wirkung auf Reisende, die ich momentan nur beschreiben kann, da ich an keinem Ort so lange bleibe, um das Leben und die Menschen wirklich verstehen und gut kennenlernen zu koennen.

Bisher kann an Verschlossenheit uebrigens kein Land fuer mich Bolivien uebertreffen. Wie wunderwunderschoen dieses Land ist, die traditionelle Kleidung, die Gesichter der indigenen Menschen, die aussergewoehnliche Landschaft! Aber wie verschlossen, schuechtern und "hart" ich viele Menschen dort erlebt habe.

Weil sie so arm sind, so viel leiden muessen, so ungluecklich, darauf warten, in Scharen ihr Land verlassen zu koennen, in dem sie nicht ueberleben koennen?
Aber es geht Menschen in Nordperu, im Amazonas, in Brasilien doch auch so.
Wo ist also der Unterschied, Kultur, Lebensstil?
Ist man ungluecklicher arm in einer kargen Steinhuette in der unbarmherzigen Kaelte der Berge als arm in einer Bretterhuette in der Hitze?

Ist jemand, der in der Kaelte der Anden lebt, so daran gewoehnt dass es ihm nicht ausmacht und er vielleicht nicht in der Waerme leben koennte? Lieber Kartoffeln und Quinoa als Fruechte?

Oder wuerde die Sonne jedes Gemuet so erhellen dass es sich automatisch froehlicher, unbeschwerter zeigt?

Noch etwas faellt mir auf.
So gut wie nie werde ich als blonde Gringa in Brasilien mit Machísmo konfrontiert. Irgendwie bin ich einfach da, aber oft auch total egal! Oft wird zwar schon geschaut, manchmal gestarrt, aber nicht halb so intensiv und aufdringlich. Liegt zum einen daran, dass es hier durch ethnische Einfluesse mehr blonde und helle Menschen gibt.
Auch Sprueche, zugeraunte Kuesse, ekelige Woerter, Pfiffe etc. hoere ich hier so gut wie nie.
Letztens ist es mir passiert, dass ein Mann mir irgendetwas im Vorbeigehen zuraunte, begleitet von Kussgeraeuschen, und da ist mir aufgefallen, wie seltsam ungewohnt es wieder ist!
In Perú (nicht in Arequipa, wenig im Sueden, dafuer uebrigens IMMER in Lima und oft im Norden) und oft in Bolivien verging kein Tag ohne, und irgendwie legt man sich mit der Zeit eine gewisse dicke Haut und Ignoranz dem gegenueber zu - sonst waere es auch unmoeglich, dort als Frau allein zu reisen.

Brasilien ist, ganz anders als ich mir jemals ausgemalt habe, ein superentspanntes, einfaches Reiseland - noch dazu fuer eine Frau alleine.
Vielleicht haette ich das nicht gedacht, waere ich direkt aus Deutschland als erstes nach Brasilien gekommen. Aber so bin ich schon an einiges gewoehnt und befinde mich hier scheinbar gerade im Reiseparadies!

Uebrigens wird im Lonely Planet der fehlende Machísmo so erklaert, dass durch den eh freizuegigeren Umgang mit Sexuellem Maenner daran gewoehnt sind und nicht das Beduerfnis haben, Ueberlegenheit ueber Frauen (besonders Gringas?) zu zeigen und zu beweisen, dass sie ja immer noch ein Mann sind und noch koennen.
Ob es das trifft?

Sehr sympathisch ist, dass Brasilianer freundlich sind, ohne direkt etwas zu wollen (verkaufen oder bekommen). Ich hatte mir in der Vergangenheit angewoehnt, immer vorsichtig zu sein, nie zu lange mit jemandem zu reden, wenn mir etwas sonderbar vorkommt, immer erst abzuchecken. Brasilianern geht es ja nicht unbedingt besser, trotzdem begegnen sie mir bisher anders.

Uebrigens...ihr duerft jetzt nicht denken, ich wuerde versuchen, ein Land, eine Bevoelkerung, Verhaltensweisen etc. zu verallgemein und zu be- oder verurteilen, ohne sie richtig zu kennen. Das sind nur Dinge, die mir so aufgefallen sind und mir durch den Kopf schiessen, und ehrlich, ich koennte noch viel mehr schreiben und erzaehlen, aber habe dabei immer Angst, dass es geschrieben nicht so herueberkommt wie ich es moechte, Menschen, die es lesen, falsche Ideen bekommen, und lasse es lieber sein.

Aber wenn ihr etwas dazu mitzuteilen habt - immer gerne her damit!

Freitag, Februar 09, 2007

Moby Dick

"Un libro es un pájaro con más de cien alas para volar."
"Ein Buch ist ein Vogel mit mehr als Hundert Fluegeln zum Fliegen."
Ramon Gomez de la Serna

(Habe das Zitat gerade an der Aussenwand eines Buch-Shops gefunden)

Eine wirklich lange Durststrecke ist ueberstanden! Vor einigen Tagen rettete mich Moby Dick aus meinem Schlamassel. Denn ohne Buch, noch dazu, wenn auch der MP3-Player seit 2 Monaten fehlt...(kaputt, nach Hause geschickt) ui.
Da MUSS man ja verrueckt werden vom ganzen Nachdenken!
Es ist also nur ein logisches Ergebnis der Umstaende, dass ich mich vor kurzem aus verschiedenen Gruenden fuer einige Zeit, die ich nicht genau definieren kann, in einem tiefen Reise-ich-weiss-nicht-was-ich-will-Loch befand. Gruende? Weiss ich nicht so genau, vielleicht muede, viel Zeit alleine, kleine mit den Monaten so in den Gedanken angehaeufte natuerliche Schwierigkeiten und Anstrengungen vom reisen ueberhaupt, Geld fast weg...koennten die Gruende sein. Aus dem Loch bin ich jetzt wieder hinaus, dank meiner Eltern und Henning. Die mich, wenn sie egoistisch waeren und nicht so sehr wollen wuerden, dass ich gluecklich bin, wohl jetzt schon wieder daheim haetten. Aber es ist alles nochmal gut gegangen, ich bin hier, und folgendes habe ich so deutlich wie noch nie zuvor gespuert:

Manchmal muessen andere dein Gedankenwirrwarrknaeuel fuer dich entwirren. Und die innere Einstellung beeinflusst die Dinge, die dir passieren.

Denn ab dem Morgen vor 1,5 Wochen an, an dem es mir wieder besser ging und ich voller Reisewille aufwachte, passierten mir nur gute Dinge, ich traf tolle Leute und hatte eine ausnahmslos GEILE Zeit. Ich bin fest davon ueberzeugt, dass das nicht moeglich gewesen waere, wenn ich weiterhin wie vorher herumgerannt waere.

Also, Moby Dick. Ueberrascht mich! In dem Book Exchange im Hostel liess sich kein anderes Buch in einer Sprache, die ich lesen kann, finden. Hollaendisch, schwedisch, hebraeisch ist bisher einfach nichts fuer mich. Also griff ich zu Moby Dick mit einer Mischung aus "Na, jetzt muss ich nehmen, was ich bekommen kann" und "Vielleicht ist dieser Klassiker es ja wirklich wert".

Ich haette nie gedacht, ein so anders schoen und intelligent geschriebenes Buch bekommen zu haben. Und zum Weglachen!

Und da ich bereits jetzt nach 200 Seiten so viele interessante, witzige und irgendwie neue oder einfach wahre Denkweisen gefunden habe, lass ich euch an einigen mal teil haben. Allen voran uebrigens noch das Kompassnadel-Zitat aus meinem letzten Blog!

Achso, da ich gerade das Wort "wahr" geschrieben habe, faellt mir noch etwas ein, was ich unbedingt loswerden wollte: Ihr muesste oft einfach Nachsehen mit meiner Sprache haben, schliesslich arbeite ich ja gerade nicht und denken vor dem Tippen ist mir oft auch einfach zu anstrengend...das Reiseleben fordert doch schon genug von mir:)!
Beispiel:
Zitat aus meinem Eintrag "Das Paradies und Mein erster Caiprinha"
"Das seltsamste an diesen Schiffsreisen ist, dass nicht dieses verrueckte Leben und Verhalten oder die Anderen hier fremd sind, sondern das einzige Fremde in dem Ganzen ICH bin!"

Zitat eines chilenischen Mitreisenden, fuer mich das wahrste, was man ueber das Leben an Bord (und Reisen allgemein!) sagen kann.

Das wahrste? Wahr, wahrer, am wahrsten?

So, und nun zurueck zu Moby Dick.


Der Erzaehler ueber seinen Seefahrerkameraden, der gerade mutig einen Matrosen aus dem Meer gerettet hat.
"War sich jemals einer seiner Taten so wenig bewusst? Er schien nicht dfer Meinung, dass er sich von der Vereinigten Gesellschaft der Menschenfreunde eine Rettungsmedaille verdient habe. Er bat nur um Wasser, frisches Wasser, etwas um das Salzwasser abzuspuelen; als er das getan hatte, zog er trockene Sachen an, setzte seine Pfeife in Brand, und an die Reling gelehnt, blickte er nachsichtig ueber die Leute um ihn her, als ob er bei sich sagte:
Die Welt ist unter allen Breitengraden ein Unternehmen auf Gegenseitigkeit."


"Um so mehr, sage ich, weil man an einem Zipfelchen seines Koerpers frieren muss, um koerperliche Waerme wirklich zu geniessen. In dieser Welt gibt es naemlich keinen Zustand, keine Eigenschaft, die nicht erst durch ihr Gegenteil zu dem werden, was sie sind. Nichts besteht an sich."


"Aber um wahre Philosophen zu sein, sollten wir Sterblichen vielleicht nicht bewusst danach leben oder streben. Sobald ich hoere, dass ein Herr Soundso sich selbst fuer einen Philosophen ausgibt, schliesse ich daraus, dass in seinem Leibe die Saefte stocken wie im Kochtopf jener melancholischen Alten, die das Ruehren vergass."


"Mich duenkt, wir haben die Frage von Leben und Tod gewaltig missverstanden. Mich duenkt, was man hier auf Erden meinen Schatten nennt, ist mein eigentlicher Stoff. Mich duenkt, wenn wir geistige Dinge betrachten, gleichen wir allzusehr der Auster, die durchs Wasser hindurch die Sonne anschaut und das dichte Element fuer duennste Luft haelt. Mich duenkt, mein Leib ist nur der Bodensatz meines reineren Wesens. So nehme meinen Koerper, wer mag; jawohl, nehmt ihn nur, er ist nicht ich. Und darum dreimal hoch, und gehe das Schiff zu Bruch, gehe der Leib zu Bruch, wenns so geschrieben steht - denn meine Selle brechen kann selbst Jupiters Blitzstrahl nicht."


"(Das aber tat er bestimmt mit der groessten Unverfrorenheit,) Und wie alle Welt weiss, bedeutet nach Ansicht der meisten Leute unverfroren handeln dasselbe wie vornehm handeln."


"Die verbindliche Geschaeftigkeit, mit der ein Mann Geld in Empfang nimmt, ist kaum zu fassen - wenn man bedenkt, dass wir doch in vollem Ernst glaiuben, Geld sei dir Wurzel alles irdischen Uebels und ein reicher Mann koenne um keinen Preis ins Himmelreich kommen. Ach, wie frohgemut ueberliefern wir uns selbst der ewigen Verdammnis!"


Und was ich nun vorhabe?
"Und bewundernd warf ich mich ans Herz des Meeres, das keine Spur bewahrt."
Genau das, und zwar mit einem Caipi! Ciao!

Dienstag, Februar 06, 2007

Gaestebuch

Zugegeben, die Idee ist geklaut, aber sie ist guuut!
Ich will es jetzt wissen: Fuer wen schreibe ich diese Seiten?
Alle bitte ins Gaestebuch eintragen! Und wenn euch etwas nicht gefaellt oder ihr bessere Ideen habt: schreiben!
Uebrigens findet ihr es rechts an der Seite unter Gaestebuch oder hier!
Sonnige Gruesse an euch!

delfine! dolphins! delfínes! golfinhos!


"Ist es vielleicht die magnetische Anziehungskraft der Kompassnadeln auf den vielen Schiffen, die die Menschen zum Meer zieht?"
Herman Melville, "Moby Dick"


Ich muss es eben schnell ohne grossartige Einleitung herausposaunen: Ich bin heute mit Delfinen im Meer geschwommen! Ich bin immernoch total verliebt!

Hier in Praia da Pipa, einem zum beliebten Touristenziel mutierten kleinen Fischerdoerfchen mit wunderschoenen Straenden gibt es eine Bucht mit dem vielversprechenden Namen "Praia dos Golfinhos" - Strand der Delfine.
Morgens um 10 soll die beste Zeit sein, Delfine auf ihrer Jagd nach Fischen in Strandnaehe zu beobachten. Unsere Information war, man haette nachmittags mehr Glueck... Aber es ist anscheinend auch total egal, denn nach vielleicht einer Stunde Herumplantschen im Meer und Buch lesen am Strand zeigten sich die ersten Tiere. So nah! Wir sind direkt ins Wasser gejumpt und so weit herausgeschwommen, bis wir in 4-10 m Entfernung hinter, vor und neben uns die Delfine aus dem Wasser auftauchen sehen konnten. Den ganzen Koerper, Wasser spruehend! Einmal sah ich drei Delfine gleichzeitig wie bei einer Show: Erst zeigte sich einer, dann der zweite, dritte, bis schliesslich alle drei ihren Ruecken und -Flosse zeigten und sehr langsam gleichzeitig wieder ins Meer tauchten. WOW!

Am Strand werden Bootstouren fuer 25 Reais (ca. 12 Dollar) verkauft, man wuerde 1 Stunde lang die Kueste entlanggurken und anschliessend vom Boot aus die delfine beobachten. Ha! dachten wir uns, latschten einfach selbst in 10 Minuten den Strand entlang zur Bucht, sprangen ins Wasser und waren viel naeher dran als die Bootsgaeste! Das nur mal als Beispiel dafuer, dass man 90 % aller Angebote gruendlich hinterdenken und einfach selbst durchfuehren kann...vor allem sollte natuerlich, wenn man auf schmalem Budget reist.

Ooooooooh es war sooooo schoen! Morgen gehts gleich wieder hin, um 10!

Uebrigens wohne ich hier in einem Apartement mit zwei Belgiern, zwei Chilenen und einer Brasilianerin. Die Belgier lernte ich in Canoa Quebrada kennen, dem letzten kleinen Strandort, in dem ich war. Dort wohnten wir bereits gemeinsam fuer 3 Tage in einem Apartement ausserhalb der Tourizone des Dorfes in dem urspruenglichen Teil, Canoa Quebrada, wie es frueher einmal war: ein ganz kleines, einfaches Fischerdoerfchen.
Wir hatten echt viel Spass zusammen, jeden Tag baden, baden, baden und Cocktails.

Einen Tag mieteten wir uns einen Sandbuggy, mit dem wir die Kueste entlangfahren wollten. Wir tankten fuer 50 Reais, fuhren in die Stadt, um Bustickets fuer den naechten Tag zu kaufen, danach an den Strand. Der Strand Canoa Quebradas ist gesaeumt von roten, hohen Sandduenen in den wildesten Formationen und unser Ziel war eine Riesenklippe, die wir weiter weg sehen konnten. Nach ca. 20 km Strandfahrt - die Jungs auf den einzelnen Sitzen, ich hinten auf dem Buggy - ging der Motor einfach aus und auch nicht wieder an. Benzin hatten wir noch, aber eventuell kein Oel? Oder Motor kaputt?
Kein Mensch weit und breit, und wir standen mit dem Buggy auf einem schmalen Strand, der zur Landseite von hohen Klippen begrenzt ist. 20 km zum Ort. In etwa einer stunde waere das Wasser bis zu den Klippen gestiegen und haette an den Klippen eine Hoehe von 1 m erreicht. Ups! Wohin mit dem Buggy? Wie zurueck kommen? ...Schieben! Wir schoben den Buggy also durch die Hitze, wussten auch nicht so richtig, ob wir lachen oder fluchen sollen. Immer wieder kamen wir an kleinen Haeusern vorbei und animierten alle Kinder und Jugendlichen, uns zu helfen. So schoben irgendwann 12 Mann den Wagen den Strand entlang.
Wir suchten eine Strasse, in der wir den Buggy abstellen, zuruecklaufen und Hilfe holen koennen. Die Strasse kam nicht.
Dafuer nach einer halben Stunde ein Schwarm Buggys von einem Ausflug zurueck, juhu!
Wir wurden bis nach Canoa zurueckgezogen und haben den Buggy natuerlich nicht gezahlt. ergebnis der Untersuchung war uebrigens, dass der Motor vollkommen hinueber war!

Spass hat es trotzdem gemacht und die Cocktails am Abend hatten wir uns wirklich verdient...

All diese kleinen Doerfer werden immer touristischer. Dabei kommt es natuerlich immer darauf an, wie sehr man sich in das Getuemmel stuerzen moechte oder doch lieber etwas abseits an den stillen Straenden relaxt und abends dann in die Strandbars zurueckkehrt. Aber hier wimmelt es nicht nur von Gringos! Etwa 50% der Touristen sind Brasilianer, die durch ihr eigenes Land reisen - ist ja auch riiiiesiggross und fast schon ein eigener Kontinent.
In Canoa lernten wir einen Hollaender kennen, der Riesengewinne mit dem Handel von Grundstuecken macht. Er kauft sie guenstig, klaert all die Rechtsangelegenheiten, bereitet alles nett auf und verkauft sie wieder an europaeische Investoren. Der Markt boomt:
Zwischen Fortaleza und Natal werden in den naechsten 5 Jahren 21 neue Hotelresorts gebaut.

Dabei ist sein Job nicht so einfach. Zwei Tage vor unserer Ankunft in Canoa mussten 10 Auslaender ihre Haeuser oder Hotels raeumen, da das Grundstueck, das sie vor einigen Jahren von einem Brasilianer erworben hatten, rechtmaessig gar nicht ihnen gehoerte. Es gibt zwar beglaubigte Verkaufsurkunden, doch kennen die Brasilianer alle moeglichen Tricks, an gutes europaeisches Recht gewoehnte Auslaender reinzulegen. Und dann gibt es noch bestochene Notare, Anwaelte...
Er erzaehlte uns noch mehr Stories, dass einem die Ohren schlackern (HA!).

Ja, wo war ich...achso, Praia da Pipa.
Es macht total viel Spass mit den verschiedenen Menschen im Apartement, wir haben eine Kueche und koennen so guenstig leben. Ausserdem eine riesige auf drei Seiten umlaufende Veranda mit Haengematten!

Da ich die drei Naechte in Canoa bereits in einer Haengematte in der Wohnung schlief (in vielen Wohnungen sind einfach Haengemattenhaken in die Waende eingebaut, viele Menschen schlafen ihr Leben lang in Haengematten!), konnte ich das meinem Ruecken und meiner Schlafruhe echt nicht mehr antun.

Wir verfrachteten also unsere Matratzen auf die Veranda und schliefen wie Engel in dem frischen Meereswind!
Bis ich heute morgen von einem lauten, regelmaessigen Geraeusch geweckt wurde. Ich oeffnete meine Augen und sah eine Palme...kippend...fallend... Ist das etwas der Restalkohol von gestern abend?
Ach nee, da wurden tatsaechlich am fruehen Morgen zwei schoene grosse Palmen vor unserem Haus gefaellt.

So, mit diesen Neuigkeiten lass ich euch jetzt mal wieder alleine und begebe mich mit meinem Moby Dick-Buch zurueck in meine Haengematte!
Achso, vorher kaufe ich mir noch einen Liter Eiscreme, den ich da mit rein nehme! Juuuuuuhu