Ich muss euch noch etwas schreiben (ich wuerde es ja sonst vermissen).
Ich durchforste gerade mein Zimmer (wie gut es riecht!) und finde viele schoene Dinge, mit denen viele schoene Erinnerungen verbunden sind.
In meinem Buecherregal steht ein Buch mit gruenem Deckel und schwarzen Pappseiten, in dem auf jeder Seite ein Kinderfoto klebt und in weiss etwas geschrieben steht.
Mein Abschiedsgeschenk von meinen ehemaligen Kollegen und Chefs der Kirchhoff Werbeagentur. Auf einer Seite fand ich dieses Gedicht von Hermann Hesse, mir geschrieben von einer lieben Kollegin:
Wie jede Bluete welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blueht jede Lebensstufe,
blueht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andere, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschuetzt und der uns hilft zu leben.
(...)
Hermann Hesse
So weit so gut
07. 03. 2010 Köln, Hamburg, Köln, Hamburg, Köln, Hamburg, Köln, Hamburg...
Mittwoch, März 14, 2007
Daheim.
Ohne einen Flug verpasst oder die Haelfte vergessen zu haben (ich habe nichts vergessen!), rollte die Maschine mit mir auf dem Fensterplatz 19F sacht auf das Hamburger Flughafengebaeude zu.
Und mir ein kleines Traenchen aus dem Auge.
Die Landung war die sanfteteste von allen drei, die ich schon hinter mir hatte: Houston, New York, und nun Hamburg. Als die Maschine aufkam, war es trotzdem ein seltsames Gefuehl.
Ich glaube nicht, dass ich vorher wirklich realisiert habe, was das alles bedeutet. Aber sowas glaubt man ja immer, wenn man meint, irgendetwas waere "vorbei", egal, was. Und selbst in dem Moment dieses Gedankens hat man in Wirklichkeit noch nichts richtig realisiert. Und vorbei ist es auch nicht. Es geht halt immer weiter.
Ich wusste, dass Henning und meine Schwester drinnen auf mich warten, und es war eine ungewohnte und unglaubliche Vorstellung, ihnen ploetzlich auch physisch so nah zu sein.
Dass die Begruessung schoen war, muss ich ja nicht zu erzaehlen... Wir gingen Fruehstuecken in einer Baeckerei (juhu!) und brachten meine Schwester spaeter nach Hause - sie musste ja arbeiten in der Agentur.
Henning und ich verbrachten den Tag in seiner Wohnung und an der Alster. Passenderweise kam scheinbar mit mir die Sonne in Norddeutschland an (meine Oma erzaehlte mir gestern, sie haette fuer Sonne fuer mich gebetet, da sie nicht wollte, dass ich einen Temperaturschock nach der brasilianischen Sonne bekomme, da habt ihrs!). Nach genau diesem Wetter hatte ich mich gesehnt. Frische Luft, die in Norddeutschland die schoenste der Welt ist, mit viel Sauerstoff, gleichzeitig Fruehlings- und Winterduft und Sonne auf der Haut.
Ich mag und brauche alle vier Jahreszeiten. Nach Monaten mit staendigem Schweissfilm auf der Haut (bis zu 40 Grad Celsius in Brasilien) sehnte ich mich nach Kuehle... und damit meinte ich nicht mehr die Kuehlschrankatmosphaere der klimaanlagenbestueckten Banken und Einkaufscenter.
Das Hamburger Wetter war perfekt!
Dienstag habe ich mich auf den Weg nach Nordenham gemacht, um meine Eltern zu begruessen und in diesen Tagen auch Omas und Opa zu sehen (und mich arbeitslos zu melden;)).
Der Wohnzimmerfussboden sieht heute, Mittwoch, immer noch so aus wie gestern nachmittag und vorgestern Hennings Fussboden. Geschenke wurden verteilt und alle meine Sachen ausgeraeumt und akribisch erklaert woher es kommt und was es damit auf sich hat.
Ich hatte meinen Rucksack sowie eine weitere grosse Tasche mit je 16 kg, da man bei einem Flug ueber die USA zwei Gepaeckstuecke mit je 23 kg transportieren darf.
Beides wurde nach den strengen Sicherheitsrichtlinien auch gleich 2 mal durchsucht... das erste Mal in Lima vor dem Abflug. Ich war dabei, als der Sicherheitsbeamte alle meine Dinge auspackte und ueberpruefte und gab mir Muehe, richtig nett mit ihm zu schnacken... ich hatte schliesslich einige zweifelhafte Dinge. Schalen aus Kokos, ein pflanzliches Pulver namens Guarana aus dem Amazonas und viele Samen aus dem Amazonas! Die Samen sind nicht unbedingt als solche erkennbar, sie sind zum Teil auch gefaerbt, und ich habe sie nicht zum Anpflanzen, sondern zum Schmuck draus basteln...Schmuck mit Holz, Perlen und Samen wird in Brasilien ueberall von den Artesanias, den Kunsthandwerkern, hergestellt.
Gluecklicherweise hat er das alles nicht richtig gemerkt und auch die Tonmaske fuer Henning durchgehen lassen.
Die zweite Durchsuchung fand in den USA hinter den Kulissen statt, ich hatte zuhause nur einen Zettel mit der Nachricht drauf drin liegen.
Tja, und wie fuehlt es sich so an, zuhause zu sein?
Wie ich schon schrieb, freute ich mich auf "nach zuhause fliegen" wie auf eine neue, spannende Reise. Und genau das ist es auch.
Ich muss ja nicht erst sagen, dass es das schoenste und aufregendste ist, alle lieben Menschen wiederzusehen, deshalb lasse ich das jetzt mal aus.
Spannend und witzig ist, wie ich in bestimmten Situationen denke und unbewusst reagiere, und all die Kleinigkeiten, die mir komisch vorkommen oder die ich total vergessen hatte.
Zum Beispiel:
Nachdem ich alle meine Habseligkeiten schoen auf Hennings Fussboden verstreut hatte, beschlossen wir, an die Alster zu fahren. Vor Verlassen der Wohnung schoss mir kurz ein "Ach nee, musst noch schnell alles wieder zusammenpacken, sonst wird noch was geklaut!". Das kommt aus den Hosteldormitorios, geteilte Zimmer mit 4 bis manchmal 20 Betten. Das gleiche passierte wieder, als ich mit meinen Eltern das Haus auf dem Weg zum Restaurant verliess.
Beim Herumfahren durch Hamburg kamen mir alle Leute als Touristen vor, sah ich eine Gruppe mit blonden Maedels irgendwo laufen, war direkt dieses "Oh, auch Gringas!" in meinem Kopf. Man spotet ja immer automatisch alle Backpacker irgendwo in einer Menge als Gleichgesinnte heraus, wenn man ansonsten nur von Einheimischen umgeben ist.
Ich habe auch seit 10 Monaten kein benutztes Toilettenpapier mehr in die Toilette geworfen, sondern in einen extra dafuer bereit gestellten Muelleimer. So laeuft es dort, egal, in welchem Land, da die Abflussrohre so schmal sind. "Ekelig", denkt ihr jetzt wahrscheinlich, aber man gewoehnt sich daran, und schliesslich ist es immer noch besser als in Asien, wo gar kein Klopapier benutzt wird, sondern nur ein Schlauch aus der Wand haengt zum Abspritzen mit Wasser...
Hier ist es nun jedesmal eine kleine Ueberwindung, wenn vor meinem Kopf automatisch ein imaginaeres "VERBOTEN!!!"-Schild erscheint...
Haeuser sind, wie alles andere, hier auch so vernuenftig von aussen wie von innen, und zwar ALLE, unabhaengig vom Viertel, ausserhalb der Stadt, im Zentrum... In Suedamerika werden die allermeisten Haeuser nur von vorne verputzt, die Seitenwaende sowie Rueckansicht bleiben unverschoent mit Steinen und unsorgfaeltig dazwischen geklatschten Zement. Sind ja auch "unnoetige" Kosten. In Deutschland ist alles sauber, rein und vernuenftig und hat so seine Bahnen.
Keine Frage, eine Sache des Wohlstands.
Vieles, so wie dieses, faellt mir jetzt besonders auf - vielleicht noch staerker, als mir in Suedamerika das Gegenteil aufgefallen ist. Vielleicht, weil das hier mein normales Leben und meine Herkunft ist, und ich das, was immer normal fuer mich war, jetzt in ganz anderem Licht sehe. Suedamerika war nie "normal" und gewohnt fuer mich. Ich musste mich einfach ausnahmslos an alles gewoehnen. Vielleicht ist es manchmal leichter und geschieht unueberlegter, automatischer, etwas komplett Neues anzunehmen als Bekanntes mit einem neuen Hintergrund zu betrachten.
Und:
Warum sind deutsche Lichtschalter so riiiesengross und quadratisch? Ist das etwa schoen???
Oh, diese Liste koennte lang werden!
Ihr koennt sie ja bei mir anfordern, wenn ihr interessiert seid:).
Sonst erzaehl ich euch auch alles gern persoenlich.
Bis bald!
Und mir ein kleines Traenchen aus dem Auge.
Die Landung war die sanfteteste von allen drei, die ich schon hinter mir hatte: Houston, New York, und nun Hamburg. Als die Maschine aufkam, war es trotzdem ein seltsames Gefuehl.
Ich glaube nicht, dass ich vorher wirklich realisiert habe, was das alles bedeutet. Aber sowas glaubt man ja immer, wenn man meint, irgendetwas waere "vorbei", egal, was. Und selbst in dem Moment dieses Gedankens hat man in Wirklichkeit noch nichts richtig realisiert. Und vorbei ist es auch nicht. Es geht halt immer weiter.
Ich wusste, dass Henning und meine Schwester drinnen auf mich warten, und es war eine ungewohnte und unglaubliche Vorstellung, ihnen ploetzlich auch physisch so nah zu sein.
Dass die Begruessung schoen war, muss ich ja nicht zu erzaehlen... Wir gingen Fruehstuecken in einer Baeckerei (juhu!) und brachten meine Schwester spaeter nach Hause - sie musste ja arbeiten in der Agentur.
Henning und ich verbrachten den Tag in seiner Wohnung und an der Alster. Passenderweise kam scheinbar mit mir die Sonne in Norddeutschland an (meine Oma erzaehlte mir gestern, sie haette fuer Sonne fuer mich gebetet, da sie nicht wollte, dass ich einen Temperaturschock nach der brasilianischen Sonne bekomme, da habt ihrs!). Nach genau diesem Wetter hatte ich mich gesehnt. Frische Luft, die in Norddeutschland die schoenste der Welt ist, mit viel Sauerstoff, gleichzeitig Fruehlings- und Winterduft und Sonne auf der Haut.
Ich mag und brauche alle vier Jahreszeiten. Nach Monaten mit staendigem Schweissfilm auf der Haut (bis zu 40 Grad Celsius in Brasilien) sehnte ich mich nach Kuehle... und damit meinte ich nicht mehr die Kuehlschrankatmosphaere der klimaanlagenbestueckten Banken und Einkaufscenter.
Das Hamburger Wetter war perfekt!
Dienstag habe ich mich auf den Weg nach Nordenham gemacht, um meine Eltern zu begruessen und in diesen Tagen auch Omas und Opa zu sehen (und mich arbeitslos zu melden;)).
Der Wohnzimmerfussboden sieht heute, Mittwoch, immer noch so aus wie gestern nachmittag und vorgestern Hennings Fussboden. Geschenke wurden verteilt und alle meine Sachen ausgeraeumt und akribisch erklaert woher es kommt und was es damit auf sich hat.
Ich hatte meinen Rucksack sowie eine weitere grosse Tasche mit je 16 kg, da man bei einem Flug ueber die USA zwei Gepaeckstuecke mit je 23 kg transportieren darf.
Beides wurde nach den strengen Sicherheitsrichtlinien auch gleich 2 mal durchsucht... das erste Mal in Lima vor dem Abflug. Ich war dabei, als der Sicherheitsbeamte alle meine Dinge auspackte und ueberpruefte und gab mir Muehe, richtig nett mit ihm zu schnacken... ich hatte schliesslich einige zweifelhafte Dinge. Schalen aus Kokos, ein pflanzliches Pulver namens Guarana aus dem Amazonas und viele Samen aus dem Amazonas! Die Samen sind nicht unbedingt als solche erkennbar, sie sind zum Teil auch gefaerbt, und ich habe sie nicht zum Anpflanzen, sondern zum Schmuck draus basteln...Schmuck mit Holz, Perlen und Samen wird in Brasilien ueberall von den Artesanias, den Kunsthandwerkern, hergestellt.
Gluecklicherweise hat er das alles nicht richtig gemerkt und auch die Tonmaske fuer Henning durchgehen lassen.
Die zweite Durchsuchung fand in den USA hinter den Kulissen statt, ich hatte zuhause nur einen Zettel mit der Nachricht drauf drin liegen.
Tja, und wie fuehlt es sich so an, zuhause zu sein?
Wie ich schon schrieb, freute ich mich auf "nach zuhause fliegen" wie auf eine neue, spannende Reise. Und genau das ist es auch.
Ich muss ja nicht erst sagen, dass es das schoenste und aufregendste ist, alle lieben Menschen wiederzusehen, deshalb lasse ich das jetzt mal aus.
Spannend und witzig ist, wie ich in bestimmten Situationen denke und unbewusst reagiere, und all die Kleinigkeiten, die mir komisch vorkommen oder die ich total vergessen hatte.
Zum Beispiel:
Nachdem ich alle meine Habseligkeiten schoen auf Hennings Fussboden verstreut hatte, beschlossen wir, an die Alster zu fahren. Vor Verlassen der Wohnung schoss mir kurz ein "Ach nee, musst noch schnell alles wieder zusammenpacken, sonst wird noch was geklaut!". Das kommt aus den Hosteldormitorios, geteilte Zimmer mit 4 bis manchmal 20 Betten. Das gleiche passierte wieder, als ich mit meinen Eltern das Haus auf dem Weg zum Restaurant verliess.
Beim Herumfahren durch Hamburg kamen mir alle Leute als Touristen vor, sah ich eine Gruppe mit blonden Maedels irgendwo laufen, war direkt dieses "Oh, auch Gringas!" in meinem Kopf. Man spotet ja immer automatisch alle Backpacker irgendwo in einer Menge als Gleichgesinnte heraus, wenn man ansonsten nur von Einheimischen umgeben ist.
Ich habe auch seit 10 Monaten kein benutztes Toilettenpapier mehr in die Toilette geworfen, sondern in einen extra dafuer bereit gestellten Muelleimer. So laeuft es dort, egal, in welchem Land, da die Abflussrohre so schmal sind. "Ekelig", denkt ihr jetzt wahrscheinlich, aber man gewoehnt sich daran, und schliesslich ist es immer noch besser als in Asien, wo gar kein Klopapier benutzt wird, sondern nur ein Schlauch aus der Wand haengt zum Abspritzen mit Wasser...
Hier ist es nun jedesmal eine kleine Ueberwindung, wenn vor meinem Kopf automatisch ein imaginaeres "VERBOTEN!!!"-Schild erscheint...
Haeuser sind, wie alles andere, hier auch so vernuenftig von aussen wie von innen, und zwar ALLE, unabhaengig vom Viertel, ausserhalb der Stadt, im Zentrum... In Suedamerika werden die allermeisten Haeuser nur von vorne verputzt, die Seitenwaende sowie Rueckansicht bleiben unverschoent mit Steinen und unsorgfaeltig dazwischen geklatschten Zement. Sind ja auch "unnoetige" Kosten. In Deutschland ist alles sauber, rein und vernuenftig und hat so seine Bahnen.
Keine Frage, eine Sache des Wohlstands.
Vieles, so wie dieses, faellt mir jetzt besonders auf - vielleicht noch staerker, als mir in Suedamerika das Gegenteil aufgefallen ist. Vielleicht, weil das hier mein normales Leben und meine Herkunft ist, und ich das, was immer normal fuer mich war, jetzt in ganz anderem Licht sehe. Suedamerika war nie "normal" und gewohnt fuer mich. Ich musste mich einfach ausnahmslos an alles gewoehnen. Vielleicht ist es manchmal leichter und geschieht unueberlegter, automatischer, etwas komplett Neues anzunehmen als Bekanntes mit einem neuen Hintergrund zu betrachten.
Und:
Warum sind deutsche Lichtschalter so riiiesengross und quadratisch? Ist das etwa schoen???
Oh, diese Liste koennte lang werden!
Ihr koennt sie ja bei mir anfordern, wenn ihr interessiert seid:).
Sonst erzaehl ich euch auch alles gern persoenlich.
Bis bald!
Samstag, März 10, 2007
Ciao Suedamerika
Meine letzte Zeit in Buenos Aires war gefuehlsmaessig sehr gespalten. Von Anspannung und Aufregung ueber (manchmal) Zweifel und ernste Zukunftsgedanken bis zu (meistens) tiefer Dankbarkeit und Freude vermischt mit Sentimentalitaet ueber das Erlebte und das gute Gefuehl, sich sehr auf Zuhause freuen zu koennen.
Gelegentlich fuehlte ich mich auch wie betaeubt in der Situation und unfaehig, ueberhaupt schon ueber alles nachdenken zu koennen - ich bin ja noch mittendrin!
Ein 19-jaehriger Ami hat, ohne es zu wissen, den letzten Tagen meiner Reise genau den Schliff gegeben, den so eine Zeit braucht.
Er ist ein witziger Typ, kennt man ihn nicht, wuerde man ihn eher in die Kategorie "Freak" einztufen (er sagte, in der war er auch seine gesamte Schulzeit durch). Er ist total nachdenklich, aber so gluecklich und mit sich selbst im Reinen, wie ich selten einen Menschen erlebt habe. Und dann wieder so voller aussergewoehnlicher Gedanken und Fragen an sich selbst und das Leben.
Er steht am Beginn seiner 6-monatigen Reise durch Suedamerika, ich am Ende meiner. Ein gute Ausgangsposition.
Am ersten Abend verstrickte er mich in eine Diskussion ueber den Sinn oder Nichtsinn des Lebens, gegen die ich mich erst wehrte, dann aber doch mitten drin steckte. Ergebnis war, wie ich es schon wusste, dass ich den restlichen Abend und naechsten Tag schlecht drauf und nachdenklich war.
An den folgenden Abenden folgten weitere Gespraeche ueber andere Themen, und er holte mich erfolgreich wieder aus dem Tief heraus (mal wieder ohne es zu wissen).
Er stellte genau die richtigen Fragen, die man zum Abschluss einer solchen Zeit braucht, ohne sie selbst formulieren zu koennen. Es ist so erleichternd und erfrischend, sie von einem anderen zu hoeren!
Ich konnte ueber vieles nachdenken, mit einigem, was mir noch auf der Seele lag, abschliessen und mir viele schoene Dinge wieder in Erinnerung rufen.
Er sagte inspirierende Dinge, die ich noch nie von einem anderen Menschen gehoert habe, und zeigte seine echt beeindruckende Einstellung - und das mit 19.
Ich bin selten so beeindruckt gewesen von einem Menschen!
Zum Abschied umarmten wir uns lange und ich stieg mit dem guten Gefuehl in das Taxi zum Flughafen, alles, was irgendwie mit dieser Reise zu tun hat, richtig gemacht zu haben.
Es ist gut, zum Abschluss wieder in Perú zu sein. Erst verfluchte ich mein Hamburg-Lima, Lima-Hamburg Flugticket, das ich eigentlich schon vor laengerer Zeit aendern wollte. Auskunft des Nordenhamer Reisebueros: geht nicht; Auskunft des Continental-Bueros: waere doch gegangen. Haeh?
Jetzt freue ich mich weniger darueber, in Lima zu sein, als mehr ueber meine zwei Tage in Perú, in denen mir so viele Erinnerungen an die Zeit in Arequipa und die Reisen durch Perú kommen.
Irgendwie fuehlt sich die trockene, heisse Limeñer Luft auf der Haut an wie die Arequipeñer, es riecht hier auch so (das liegt vielleicht auch nur an den Abgasen...?), gehe ich an offenen Kneipentueren vorbei, riecht es nach dem Killa, sehe ich die typischen kleinen Tico-Taxi-Autos, denke ich an die von gelben Taxen ueberflutete Stadt Arequipa, ich kann wieder Ceviche, Rocoto und all die typischen Gerichte auf Restaurant-Schildern sehen, "Cerveza Cristal"-Schilder lassen mich an die Fussball-WM denken, die hier von der Marke gesponsort wurde.
Ich sitze im Taxi und bekomme ploetzlich durch irgendetwas genau DAS Gefuehl, das ich in der damaligen Situation auch hatte. Meist ist es nur etwas belangloses, aber das damit verbundene Gefuehl ein sehr schoenes, entscheidendes. In dem Moment, in dem ich automatisch versuche, es zu fassen und zu halten, verschwindet es wieder. Und dann schaue ich um mich oder ueberlege und ich weiss, durch welches Detail es ausgeloest wurde. Dann wundere und freue ich mich gleichzeitig... da ich nicht wusste, dass mir dies so wichtig war und mir ueberhaupt solch schoenen Gefuehle bringen kann.
Durch diese Situationen faellt mir auch auf, wie sehr sich alle Laender, in denen ich war, voneinander unterscheiden. Unterschiede, die ich anfangs in Perú nicht geahnt haette, da ich ja nur Perú kannte. Und jetzt, nachdem ich etwas von drei weiteren Laendern kenne und hierher zurueck komme, merke ich, wie sehr ich Perú mag und wie sehr sich diese sechs Monate in Perú und all die Erlebnisse wirklich tief in mir befinden.
Ich genoss es ausserdem total, mit allen netten Taxifahrern zu quatschen und allen zu erzaehlen, dass ich bald nach Hause fliege! Das gleiche gilt fuer Hostelbekanntschaften: Alle reagieren mit einem "wow, seit 10 Monaten schon? Ja, da wuerde ich mich auch freuen".
Ich fuehl mich ein wenig wie der alte Reisehase hier, hach ist das witzig:)!
Es ist gleich 18.00, in 7 Stunden startet der Flieger. Ich geniesse diese Wartezeit total und noch mehr werde ich die Zeit im Flugzeug geniessen.
Ich moechte wie immer, wenn ich auf Reise bin, so wenig wie moeglich schlafen, um so viel wie moeglich von der Vorfreude und diesem Gefuehl "im nichts" mitzubekommen: Nicht nur zwischen zwei Kontinenten und in keinem Land zu sein, sondern auch auf dem Weg von einer Welt in die andere, und gleichzeitig mitten in der einen, einzigen grossen.
Gelegentlich fuehlte ich mich auch wie betaeubt in der Situation und unfaehig, ueberhaupt schon ueber alles nachdenken zu koennen - ich bin ja noch mittendrin!
Ein 19-jaehriger Ami hat, ohne es zu wissen, den letzten Tagen meiner Reise genau den Schliff gegeben, den so eine Zeit braucht.
Er ist ein witziger Typ, kennt man ihn nicht, wuerde man ihn eher in die Kategorie "Freak" einztufen (er sagte, in der war er auch seine gesamte Schulzeit durch). Er ist total nachdenklich, aber so gluecklich und mit sich selbst im Reinen, wie ich selten einen Menschen erlebt habe. Und dann wieder so voller aussergewoehnlicher Gedanken und Fragen an sich selbst und das Leben.
Er steht am Beginn seiner 6-monatigen Reise durch Suedamerika, ich am Ende meiner. Ein gute Ausgangsposition.
Am ersten Abend verstrickte er mich in eine Diskussion ueber den Sinn oder Nichtsinn des Lebens, gegen die ich mich erst wehrte, dann aber doch mitten drin steckte. Ergebnis war, wie ich es schon wusste, dass ich den restlichen Abend und naechsten Tag schlecht drauf und nachdenklich war.
An den folgenden Abenden folgten weitere Gespraeche ueber andere Themen, und er holte mich erfolgreich wieder aus dem Tief heraus (mal wieder ohne es zu wissen).
Er stellte genau die richtigen Fragen, die man zum Abschluss einer solchen Zeit braucht, ohne sie selbst formulieren zu koennen. Es ist so erleichternd und erfrischend, sie von einem anderen zu hoeren!
Ich konnte ueber vieles nachdenken, mit einigem, was mir noch auf der Seele lag, abschliessen und mir viele schoene Dinge wieder in Erinnerung rufen.
Er sagte inspirierende Dinge, die ich noch nie von einem anderen Menschen gehoert habe, und zeigte seine echt beeindruckende Einstellung - und das mit 19.
Ich bin selten so beeindruckt gewesen von einem Menschen!
Zum Abschied umarmten wir uns lange und ich stieg mit dem guten Gefuehl in das Taxi zum Flughafen, alles, was irgendwie mit dieser Reise zu tun hat, richtig gemacht zu haben.
Es ist gut, zum Abschluss wieder in Perú zu sein. Erst verfluchte ich mein Hamburg-Lima, Lima-Hamburg Flugticket, das ich eigentlich schon vor laengerer Zeit aendern wollte. Auskunft des Nordenhamer Reisebueros: geht nicht; Auskunft des Continental-Bueros: waere doch gegangen. Haeh?
Jetzt freue ich mich weniger darueber, in Lima zu sein, als mehr ueber meine zwei Tage in Perú, in denen mir so viele Erinnerungen an die Zeit in Arequipa und die Reisen durch Perú kommen.
Irgendwie fuehlt sich die trockene, heisse Limeñer Luft auf der Haut an wie die Arequipeñer, es riecht hier auch so (das liegt vielleicht auch nur an den Abgasen...?), gehe ich an offenen Kneipentueren vorbei, riecht es nach dem Killa, sehe ich die typischen kleinen Tico-Taxi-Autos, denke ich an die von gelben Taxen ueberflutete Stadt Arequipa, ich kann wieder Ceviche, Rocoto und all die typischen Gerichte auf Restaurant-Schildern sehen, "Cerveza Cristal"-Schilder lassen mich an die Fussball-WM denken, die hier von der Marke gesponsort wurde.
Ich sitze im Taxi und bekomme ploetzlich durch irgendetwas genau DAS Gefuehl, das ich in der damaligen Situation auch hatte. Meist ist es nur etwas belangloses, aber das damit verbundene Gefuehl ein sehr schoenes, entscheidendes. In dem Moment, in dem ich automatisch versuche, es zu fassen und zu halten, verschwindet es wieder. Und dann schaue ich um mich oder ueberlege und ich weiss, durch welches Detail es ausgeloest wurde. Dann wundere und freue ich mich gleichzeitig... da ich nicht wusste, dass mir dies so wichtig war und mir ueberhaupt solch schoenen Gefuehle bringen kann.
Durch diese Situationen faellt mir auch auf, wie sehr sich alle Laender, in denen ich war, voneinander unterscheiden. Unterschiede, die ich anfangs in Perú nicht geahnt haette, da ich ja nur Perú kannte. Und jetzt, nachdem ich etwas von drei weiteren Laendern kenne und hierher zurueck komme, merke ich, wie sehr ich Perú mag und wie sehr sich diese sechs Monate in Perú und all die Erlebnisse wirklich tief in mir befinden.
Ich genoss es ausserdem total, mit allen netten Taxifahrern zu quatschen und allen zu erzaehlen, dass ich bald nach Hause fliege! Das gleiche gilt fuer Hostelbekanntschaften: Alle reagieren mit einem "wow, seit 10 Monaten schon? Ja, da wuerde ich mich auch freuen".
Ich fuehl mich ein wenig wie der alte Reisehase hier, hach ist das witzig:)!
Es ist gleich 18.00, in 7 Stunden startet der Flieger. Ich geniesse diese Wartezeit total und noch mehr werde ich die Zeit im Flugzeug geniessen.
Ich moechte wie immer, wenn ich auf Reise bin, so wenig wie moeglich schlafen, um so viel wie moeglich von der Vorfreude und diesem Gefuehl "im nichts" mitzubekommen: Nicht nur zwischen zwei Kontinenten und in keinem Land zu sein, sondern auch auf dem Weg von einer Welt in die andere, und gleichzeitig mitten in der einen, einzigen grossen.
Donnerstag, März 08, 2007
Erinnerung an warme Zeiten
Ein chilenischer Freund sendete mir gerade eine E-Mail mit diesem Foto, um das ich ihn nach unserem Aufenthalt in Jericoacoara, einem Strandort Brasiliens, gebeten habe.
Etwas verspaetet, aber es koennte nicht besser passen!
Heute nacht geht mein Flug nach Lima, von dort in der Nacht von Samstag auf Sonntag nach Houston, Texas, direkt im Anschluss nach New York. Dort habe ich 5 Stunden Aufenthalt, bevor es weiter nach Hamburg geht.
Die Air Condition des Flugzeugs gewoehnte mich auf dieser Endlosreise hoffentlich schon etwas an die Kaelte...oder trieb mir die letzte Erinnerung an die Hitze aus, die in den letzten Monaten regelmaessig bei Verlassen der Kuehlschrankbusse und -flugzeuge auf mich einschlug.
Denn: Ab Montag, 06.30 morgens, beginnen wieder kalte Zeiten! 5 Grad Celsius in Norddeutschland, war das nicht so? Ich will es einfach gar nicht wissen!
Und wenn ich mich dann zurueck sehnen werde nach tropischer Hitze und Bikini-Rock-FlipFlops-Outfit, schaue ich mir einfach dieses Foto und unzaehlige weitere an...
Montag, März 05, 2007
Nur mal so aufgefallen.
Dieser komplett abgas-verrusste schwarz-haessliche Klotz ist unglaublicherweise die Kathedrale Fortalezas (einer Stadt im Norden Brasiliens, in der ich nur einen Tag war, weil sie irgendwie...naja, ein bisschen so wie diese Kathedrale ist).
Ihr haettet mal sehen sollen, wie sich diese beiden harten Jungs am Strand aufspielten. Suess fand ich, dass sie danach wie die kleinen Jungs mit Strohhalm aus ihren Cola-Doeschen schluerften...
Der Busterminal in Puerto Iguazu, Argentinien. Ich will mich auf den Weg nach Buenos Aires machen, mein Rucksack ist bereits im Bus. Fuer eine 17-stuendige Busfahrt brauche ich viel Wasser, also ueberquere ich noch schnell die schmale Strasse, die ihr auf dem Bild seht, bis zu den Geschaeften auf der anderen Seite. Einer der Maenner in weiss stoesst einen schrillen Pfiff mit seiner Trillerpfeife aus, alle schauen. "Hey, ueberqueren ist hier verboten, dafuer musst du wieder durch das Gebaeude vorne heraus und die Bruecke 300 m weiter benutzen!". ??? Um einen Bus auf dieser schmalen Strasse zu uebersehen und selbst in diesem Fall nicht mehr schnell auf die andere Seite rennen zu koennen, bevor einen der im Schrittempo fahrende Bus ueberrollt, muss man schon taub, blind und lahm sein. Ich kaufte mein Wasser, und nahm fuer den Rueckweg den selben Weg, logisch. Natuerlich wurde ich wieder schrill hallend angepfiffen und rief ein schnelles "Disculpa, no entiendo español!";). Auf der anderen Seite wurde ich von einem Backpacker mit einem "Pass auf, gleich bekommst du noch einen Strafzettel" begruesst.
So ein Bild koennte ich von vielen "Panaderias", Baeckereien, schiessen - ob in Peru, Bolivien, Brasilien oder Argentinien. Suedmaerikaner stehen unheimlich auf Suessgebaeck aller Art. Am liebsten Blaetterteig in allen erdenkbaren Formen und mit einer suessen Milchcreme, Schokolade, Sahne, Creme, Fruechten oder sonstwas gefuellt. Unglaubliche Vielfalt, wie soll man sich da entscheiden? Da ist ganz einfach! Es schmeckt naemlich immer ALLES GLEICH, von Suesskram ueber Torten und Brot.
"Vereint gegen die sexuelle Ausnutzung Kinder und Jugendlicher. Waehle 100 und zeige an. Mach in diesem Block mit!" oder irgendwie so. Werbeplakat in Brasilien anlaesslich des Karnevals und des Sextourismuses. "Mach in diesem Block mit" spielt auf die "Blocks", "blocos", an, die im Karneval die einzelnen Strassenumzuege bilden und fuer die Eintrittskarten erworben werden koennen. Mit diesen Karten kann man direkt hinter der Gruppe in einem abgesperrten Bereich mitlaufen und feiern. Finde ich super, dieses Thema mit dem Wahn des Karnevals zu verbinden und den Plakaten so mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen!
So ein Bild koennte ich von vielen "Panaderias", Baeckereien, schiessen - ob in Peru, Bolivien, Brasilien oder Argentinien. Suedmaerikaner stehen unheimlich auf Suessgebaeck aller Art. Am liebsten Blaetterteig in allen erdenkbaren Formen und mit einer suessen Milchcreme, Schokolade, Sahne, Creme, Fruechten oder sonstwas gefuellt. Unglaubliche Vielfalt, wie soll man sich da entscheiden? Da ist ganz einfach! Es schmeckt naemlich immer ALLES GLEICH, von Suesskram ueber Torten und Brot.
"Vereint gegen die sexuelle Ausnutzung Kinder und Jugendlicher. Waehle 100 und zeige an. Mach in diesem Block mit!" oder irgendwie so. Werbeplakat in Brasilien anlaesslich des Karnevals und des Sextourismuses. "Mach in diesem Block mit" spielt auf die "Blocks", "blocos", an, die im Karneval die einzelnen Strassenumzuege bilden und fuer die Eintrittskarten erworben werden koennen. Mit diesen Karten kann man direkt hinter der Gruppe in einem abgesperrten Bereich mitlaufen und feiern. Finde ich super, dieses Thema mit dem Wahn des Karnevals zu verbinden und den Plakaten so mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen!
Aussenwandgestaltung zwei Reihenhaeuser in OlindaSonntag, März 04, 2007
Rio de Janeiro
Ich habe euch zwar schon viel ueber Rio erzaehlt (noch nicht genug, das ist unmoeglich. Da ich aber ja ganz gerne mal erzaehle, kann ich das bald zuhause noch nachholen;)!)
Jetzt zeige ich euch ein paar Bilder aus meiner Zeit in Rio... in der kleinen Sammlung fehlen leider noch die Karnevals- und Fussballaufnahmen, zweifelsohne die Highlights. Diese kann ich fruehestens in drei Wochen von einem Reisebekannten, der in Oldenburg wohnt, bekommen.

Wie schon erzaehlt, begann alles mit meiner ploetzlichen Planaenderung nach dem Karneval in Olinda. Meine letzte Aussicht auf den Norden Brasiliens ist diese: Vom Flughafen auf die Stadt Recife.
Angekommen in Rio, ist dies hier tatsaechlich eine der ersten Anblicke, die ich von dieser Riesenmetropole erlebe. Wie kommt denn sowas? Ja, Rio hat einen Stadtregenwald, die Lungen Rios! Der Lonely Planet behauptet, es sei der letzte Teil vom urspruenglich mal ueberall an der Kueste wachsenden Regenwald. Unser Guide sagte, es sei nur Sekundaerurwald, da der Primaerwald zu Zeiten des Kaffeebooms fuer mehr Plantagenflaechen komplett abgeholzt wurde. Der jetzt wachsende Jungle waere von zwei Maenner zu Fuss und per Hand neu angepflanzt worden. Um alle Samenkoerner zu verteilen, waren sie 13 Jahre unterwegs...
Bei Ankunft im Hostel im beruehmtesten Stadtteil Ipanema lernte ich direkt zwei nette deutsche Brueder kennen - Tobias und Sven, der in Oldenburg studiert. Beide waren auf dem Sprung zu einer gefuehrten Tour durch den Stadtregenwald, einige Stadtteile und die Christo-Statue. Es stellte sich als viel guenstiger und wegen netter Begeleitung auch viel besser als die Besichtigung aller Dinge einzeln heraus, so war ich sofort dabei. Obwohl ich im kuehlschrankkalten Flugzeug in der Nacht fast nicht geschlafen habe und morgens noch 2 Stunden auf einer harten, aber HARTEN, Flughafenbank schlief, da um 5 in der Nacht noch keine Busse ins Zentrum fuhren, war ich hellwach!
Rio machte mich wach!

Aussicht vom "Piedra Bonita" auf Rio de Janeiro, den wir in einem 45-minuetigen Trek durch den Regenwald erklommen. Aus dichtem Gestruepp schwitzend ans Tageslicht zu kommen, und dann ploetzlich eine solche Aussicht vor sich zu haben, ist atemberaubend! Niemand ausser uns war hier, wunderschoen!

Sao Paulo ist die "Karrierestadt" Brasiliens, dort soll das grosse Geld sitzen. (Daher ist diese Stadt fuer Reiche so gefaehrlich, nach Kolumbien finden hier die meisten Entfuehrungen Suedamerikas statt). Die "Cariocas", Bewohner Rio de Janeiros, sind fuer ihre laessige, unbekuemmerte Lebensart und ihre Liebe zu Freizeit und Sport bekannt. In Sao Paulo gibt es deshalb diesen Witz ueber die Christo-Statue: "Warum steht der Christo die ganze Zeit mit ausgebreiteten Armen da? - Er wartet darauf, dass die Cariocas endlich anfangen richtig zu arbeiten, damit er klatschen kann."

"Hallo, winziger Zuckerhut!" sagt Chopin und denkt bei sich "Warum steh ich hier eigentlich versteinert in der "Baía da Guaranaba" herum?" (Die Chopin-Statue war ein Geschenk Polens an rio de Janeiro. Aber warum?)

Seilbahn zum Zuckerhut... den ihr im Hintergrund seht.

Vorne teure Luxusyachten in der Bucht, hinten auf dem Gipfel die Christo-Statue ueber Rio
"Alt und Neu gegenueber" - kleiner Nachmittagsbummel durch die Altstadt Rios
Das Kulturzentrum Rios - aufgebaut, benannt und komplett finanziert von einer Bank, der "Banco do Brasil". Gute Sache.
An meinem letzten Tag in Rio kurz vor Abfahrt meines Busses nach Iguazu lief ich schnell die wenigen Blocks von meinem Hostel zum "Ipanema beach". Ich hatte im Norden schon so viel Strand, dass ich es hier nicht brauchte - und Rio hat ja sonst viel mehr zu bieten. Ich schoss schnell dieses obligatorische Foto und war in 2 Minuten wieder verschwunden:). Danach kam ich mir ein bisschen albern vor. Ich habe aber die Hoffnung, dass es noch alberner gewesen waere, in Rio zu sein ohne wenigstens einmal den Strand selbst betreten zu haben.
Jetzt zeige ich euch ein paar Bilder aus meiner Zeit in Rio... in der kleinen Sammlung fehlen leider noch die Karnevals- und Fussballaufnahmen, zweifelsohne die Highlights. Diese kann ich fruehestens in drei Wochen von einem Reisebekannten, der in Oldenburg wohnt, bekommen.

Wie schon erzaehlt, begann alles mit meiner ploetzlichen Planaenderung nach dem Karneval in Olinda. Meine letzte Aussicht auf den Norden Brasiliens ist diese: Vom Flughafen auf die Stadt Recife.

Angekommen in Rio, ist dies hier tatsaechlich eine der ersten Anblicke, die ich von dieser Riesenmetropole erlebe. Wie kommt denn sowas? Ja, Rio hat einen Stadtregenwald, die Lungen Rios! Der Lonely Planet behauptet, es sei der letzte Teil vom urspruenglich mal ueberall an der Kueste wachsenden Regenwald. Unser Guide sagte, es sei nur Sekundaerurwald, da der Primaerwald zu Zeiten des Kaffeebooms fuer mehr Plantagenflaechen komplett abgeholzt wurde. Der jetzt wachsende Jungle waere von zwei Maenner zu Fuss und per Hand neu angepflanzt worden. Um alle Samenkoerner zu verteilen, waren sie 13 Jahre unterwegs...
Bei Ankunft im Hostel im beruehmtesten Stadtteil Ipanema lernte ich direkt zwei nette deutsche Brueder kennen - Tobias und Sven, der in Oldenburg studiert. Beide waren auf dem Sprung zu einer gefuehrten Tour durch den Stadtregenwald, einige Stadtteile und die Christo-Statue. Es stellte sich als viel guenstiger und wegen netter Begeleitung auch viel besser als die Besichtigung aller Dinge einzeln heraus, so war ich sofort dabei. Obwohl ich im kuehlschrankkalten Flugzeug in der Nacht fast nicht geschlafen habe und morgens noch 2 Stunden auf einer harten, aber HARTEN, Flughafenbank schlief, da um 5 in der Nacht noch keine Busse ins Zentrum fuhren, war ich hellwach!
Rio machte mich wach!

Aussicht vom "Piedra Bonita" auf Rio de Janeiro, den wir in einem 45-minuetigen Trek durch den Regenwald erklommen. Aus dichtem Gestruepp schwitzend ans Tageslicht zu kommen, und dann ploetzlich eine solche Aussicht vor sich zu haben, ist atemberaubend! Niemand ausser uns war hier, wunderschoen!


Sao Paulo ist die "Karrierestadt" Brasiliens, dort soll das grosse Geld sitzen. (Daher ist diese Stadt fuer Reiche so gefaehrlich, nach Kolumbien finden hier die meisten Entfuehrungen Suedamerikas statt). Die "Cariocas", Bewohner Rio de Janeiros, sind fuer ihre laessige, unbekuemmerte Lebensart und ihre Liebe zu Freizeit und Sport bekannt. In Sao Paulo gibt es deshalb diesen Witz ueber die Christo-Statue: "Warum steht der Christo die ganze Zeit mit ausgebreiteten Armen da? - Er wartet darauf, dass die Cariocas endlich anfangen richtig zu arbeiten, damit er klatschen kann."

"Hallo, winziger Zuckerhut!" sagt Chopin und denkt bei sich "Warum steh ich hier eigentlich versteinert in der "Baía da Guaranaba" herum?" (Die Chopin-Statue war ein Geschenk Polens an rio de Janeiro. Aber warum?)

Seilbahn zum Zuckerhut... den ihr im Hintergrund seht.
Sonnenuntergang vom Zuckerhut aus

Vorne teure Luxusyachten in der Bucht, hinten auf dem Gipfel die Christo-Statue ueber Rio
"Alt und Neu gegenueber" - kleiner Nachmittagsbummel durch die Altstadt Rios
Das Kulturzentrum Rios - aufgebaut, benannt und komplett finanziert von einer Bank, der "Banco do Brasil". Gute Sache.
An meinem letzten Tag in Rio kurz vor Abfahrt meines Busses nach Iguazu lief ich schnell die wenigen Blocks von meinem Hostel zum "Ipanema beach". Ich hatte im Norden schon so viel Strand, dass ich es hier nicht brauchte - und Rio hat ja sonst viel mehr zu bieten. Ich schoss schnell dieses obligatorische Foto und war in 2 Minuten wieder verschwunden:). Danach kam ich mir ein bisschen albern vor. Ich habe aber die Hoffnung, dass es noch alberner gewesen waere, in Rio zu sein ohne wenigstens einmal den Strand selbst betreten zu haben.Iguazu
Die Wasserfaelle des Flusses Iguazu, durch die Staatsgrenze geteilt in brasilianische und argentinische Seite, sind die größten Wasserfälle der Welt. Der Großteil der Fälle liegt auf argentinischem Staatsgebiet, von wo ein Zugang bis zum spektakulären "Schlund des Teufels" (Garganta del Diablo) besteht. Auf der Gesamtbreite der Fälle von etwa 2.700 m stürzen durchschnittlich 1.700 m³/s, nach längeren Niederschlägen bis zu 7.000 m³/s, in zwei Stufen bis zu 75 m hinab.
Eine Sage der frueher in diesem Gebiet lebenden Indianer erzaehlt eine Liebesgeschichte, deren maennliche Hauptfigur durch seine Liebestaten den Zorn der Geotter auf sich zog. Diese schufen daraufhin die riesige Schlucht mit Wasserfaellen und verwandelten ihn zur Strafe in einen Stein, der jetzt Tag und Nacht am Fuss der Garganta del Diablo vom Wasser gepeinigt wird.
Blick auf die Garganta del Diablo mit Regenbogen, der sich im kompletten Halbkreis unter der Aussichtsplattform durchzog.
Der einzige Gedanke, der witzigerweise bleibt, ist: "Wow, viel Wasser". Diese intelligente Bemerkung hoert man auch oft, wenn andere sich unterhalten oder man im Smalltalk Leute fragt, wie sie Iguazu fanden: "Wow, Viel Wasser, oder?!"
Mit Worten laesst sich kaum erklaeren, wie GEWALTIG und laut das Wasser den Abhang hinuntertost. Ich versuchs lieber gar nicht erst...


FLOPP! Ein aufgepumpter Tucan im Vogelpark Iguazu
Um die Wasserfaelle herum schuetzt ein Nationalpark die Artenvielfalt der Region, sogar Wildkatzen leben hier. Ein bisschen wie in einem kleinen Paradies, noch nie habe ich frei in der Natur so viele verschiedene, bunte Schmetterlinge gesehen!
Schoen ist der gelbe Schein der Fluegel dieses Schmetterlings auf dem Holz
Hola! Seht ihr den Schmetterling ueber die Pflanze schauen?
Ich weiss noch gar nicht, wie ich bald im Alltag leben kann, ohne staendig drinnen wie draussen ueberall Geckos sitzen zu sehen!
Da hat jemand was vergessen... scheint eine praechtig grosse Schlange gewesen zu sein.
Blick auf die Garganta del Diablo mit Regenbogen, der sich im kompletten Halbkreis unter der Aussichtsplattform durchzog.
Der einzige Gedanke, der witzigerweise bleibt, ist: "Wow, viel Wasser". Diese intelligente Bemerkung hoert man auch oft, wenn andere sich unterhalten oder man im Smalltalk Leute fragt, wie sie Iguazu fanden: "Wow, Viel Wasser, oder?!"
Mit Worten laesst sich kaum erklaeren, wie GEWALTIG und laut das Wasser den Abhang hinuntertost. Ich versuchs lieber gar nicht erst...

FLOPP! Ein aufgepumpter Tucan im Vogelpark Iguazu
Um die Wasserfaelle herum schuetzt ein Nationalpark die Artenvielfalt der Region, sogar Wildkatzen leben hier. Ein bisschen wie in einem kleinen Paradies, noch nie habe ich frei in der Natur so viele verschiedene, bunte Schmetterlinge gesehen!
Schoen ist der gelbe Schein der Fluegel dieses Schmetterlings auf dem Holz
Hola! Seht ihr den Schmetterling ueber die Pflanze schauen?
Ich weiss noch gar nicht, wie ich bald im Alltag leben kann, ohne staendig drinnen wie draussen ueberall Geckos sitzen zu sehen!
Da hat jemand was vergessen... scheint eine praechtig grosse Schlange gewesen zu sein.Oft wird gesagt, die argentinische Seite sei schoener als die brasilianische. Von Brasilien aus erhaelt man definitiv den besseren und schoeneren Ueberblick, waehrend man in Argentinien naeher an die Garganta del Diablo kommt und eindrucksvoller die wahre Groesse und Wassermenge sehen und hoeren kann.
Die brasilianische Seite gefiel mir besser, das lag allerdings weniger an den Faellen als mehr am Drumherum. Brasilien baute ein interessantes Museum auf seine Seite, das wesentlich besser als das Argentiniens ist. Auch der Park ist professioneller organisiert, irgendwie schoener. Ausserdem ist die brasilianische Seite guenstiger. In Argentinien wird einem von JEDEM Backpacker eine Bootsfahrt unter die Faelle mit den Worten "GEIL!" ans Herz gelegt. Die Fahrt kostet stolze 15 Dollar, aber ich dachte mir den beruehmten Gedanken "naja, wenn man schonmal da ist". Und erlebte die letzte Abzocke auf einer 11-minuetigen Plaetscherfahrt ein bisschen auf dem Wasser herum und dann unspektakulaer am Ende mal schnell unter den Wasserfall damit alle nass werden und kreischen und sich freuen. Da ich am Abend zuvor in dem wahrscheinlich groessten Hostel der Welt schon am BBQ fuer 19 Pesos (7 Dollar) teilnahm, das ebenfalls "leicht" ueberteuert war fuer die schlechte Qualitaet, war ich ploetzlich angepisst vom argentinischen Teil und erzaehlte ejedem, dass Brasilien doch sooo viel besser ist... Tja, so beeinflussbar ist doch die Meinung von so manchen Erlebnissen.
Aber Inguazu insgesamt war wirklich beeindruckend und superschoen!
Freitag, März 02, 2007
Plaene
Hey Ihr Liebsten!
Ich habe in der letzten Zeit, vor allem im Karneval, superviele nette Menschen kennen gelernt. 9 Monate lang traf ich nie eine Person, die auch ihren Job gekuendigt hat um etwas zu aendern oder einfach, um Zeit fuer Reisen zu haben. Und ploetlich haeuften sich diese Bekanntschaften. Viele nahmen sich auch einfach eine 6-monatige Auszeit vom Job, um auf Reise zu gehen.
Und mir wurde mehr als zuvor klar, dass dies nicht mein einziges Mal sein wird.
Man laesst sich ja immer von Reiserouten anderer inspirieren, wenn sie besonders interessant sind. Ich traf viele Menschen mit ganz besonderen Laendern auf ihren Reisewunschlisten und liess mich anstecken!
Mal ein anderer Kontinent, andere Kulturen, neue Menschen und Sprachen. Europa? Deutschland?
Abwechslung belebt die Fantasie, und meine setzte sich ploetzlich in Gang..."wie waere es wohl, wenn..."
Ich aenderte ein wenig meine Reiseroute und buchte einen Flug.
Am Sonntag den 11. Maerz um 7.00 morgens lande ich am Hamburger Flughafen und wuerde mich freuen, diejenigen, die Lust haben, dort zu treffen und anschliessend froehlich ein typisch deutsches Fruehstueck zu haben.
Meine Reise ist trotzdem nicht zu Ende. Das wird sie auch nie sein.
"Auf eine glueckliche Reise folgt eine zweite, und auf eine zweite glueckliche Reise folgt eine dritte, und ..."
aus Moby Dick
Eure Carina
Ich habe in der letzten Zeit, vor allem im Karneval, superviele nette Menschen kennen gelernt. 9 Monate lang traf ich nie eine Person, die auch ihren Job gekuendigt hat um etwas zu aendern oder einfach, um Zeit fuer Reisen zu haben. Und ploetlich haeuften sich diese Bekanntschaften. Viele nahmen sich auch einfach eine 6-monatige Auszeit vom Job, um auf Reise zu gehen.
Und mir wurde mehr als zuvor klar, dass dies nicht mein einziges Mal sein wird.
Man laesst sich ja immer von Reiserouten anderer inspirieren, wenn sie besonders interessant sind. Ich traf viele Menschen mit ganz besonderen Laendern auf ihren Reisewunschlisten und liess mich anstecken!
Mal ein anderer Kontinent, andere Kulturen, neue Menschen und Sprachen. Europa? Deutschland?
Abwechslung belebt die Fantasie, und meine setzte sich ploetzlich in Gang..."wie waere es wohl, wenn..."
Ich aenderte ein wenig meine Reiseroute und buchte einen Flug.
Am Sonntag den 11. Maerz um 7.00 morgens lande ich am Hamburger Flughafen und wuerde mich freuen, diejenigen, die Lust haben, dort zu treffen und anschliessend froehlich ein typisch deutsches Fruehstueck zu haben.
Meine Reise ist trotzdem nicht zu Ende. Das wird sie auch nie sein.
"Auf eine glueckliche Reise folgt eine zweite, und auf eine zweite glueckliche Reise folgt eine dritte, und ..."
aus Moby Dick
Eure Carina
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