"Damit komm ich nicht ein ganzes Jahr durch" dachte ich, als ich die Versuchung spuerte, mich wiederholt vor einem Trek zu druecken und die bequeme Busalternative zu waehlen. Das heisst nicht, dass ich gerne in einem Bus mit fetten, oberflaechlichen "Ich-bleib-nur-2-Wochen-aber-trage-die-komplette-Touri-Trecking-Ausruestung"-Touris sitze. Das heisst, dass ich generell selbst einfach faul bin.Dieses Mal hatte mein Monster keine Chance!
Ich quaelte mich nachts um 1 aus der Wohnung - nein, ich hatte vorher nicht geschlafen, und ja, ich hatte den fuerchterlichsten Kater aufgrund des fuerchterlichsten Alkoholabsturzes meiner gesamten Arequipa-Zeit. Haette Guide Maria nicht um 18 Uhr in der Wohnung gestanden, um sich zu vergewissern, dass sie die richtige Adresse hatte, waere ich ausserdem weiterhin in dem Glauben geblieben, die Tour wuerde erst in der naechsten Nacht starten und haette nachts um 1 friedlich geschlafen!
Ein wenig chaotisch alles, aber es ging wie immer gut, und das ist ja die Hauptsache.
"Glueck muss man koennen", oder wie war das.
Nach der kaeltesten naechtlichen Busfahrt der Welt starteten wir morgens von Cabanaconde aus, und stiegen fuer 3,5 Stunden die 1.000 m tief in den Canyon hinab.
Wir ueberquerten den kuemmerlichen Fluss und assen auf der anderen Seite waehrend einer 2-stuendigen Pause zu Mittag.
Weiter ging es fuer weitere 3,5-4 Stunden bergauf, bergab, bergauf, bergab, bergauf...
Uebernachtet wurde in einfachen Camps.
Die Nachtuhe wurde gegen 2.30 unterbrochen - um 3 Uhr nachts standen wir wieder bereit zum Aufstieg!
3,5 Stunden spaeter und 1.000 m hoeher (!) erreichten wir Chivay, von wo aus es mit dem Bus zum Cruz del Condor ging.
Das ist der Canyon! Uebrigens nicht, wie immer wieder irrtuemlichweise gesagt wird, der tiefste der Welt, sondern der zweittiefste. Der tiefste ist der Cotahuasi, der auch in der Naehe Arequipas liegt, und den Colca um ganze 160 m Tiefe schlaegt. Der Colca ist mit ueber 3.000 Tiefe uebrigens fast doppelt so tief wie der Grand Canyon! Na, habt ihr schon mal in 3 Saetzen so oft das Wort "tief" gelesen?Der kleine geschlaengelte Weg entlang des Berghanges ist uebrigens unsere Route!
Der Trek war hart und anstrengend, aber hat ungeahnt viel Spass gemacht! Die kleine Peruanerin rechts ist Maria, die diese Tour als Guide seit 3 Jahren 2 mal woechentlich unternimmt.
Unglaublich, dass in diesem Klima so viel wachsen kann! Im Canyon liegen verschiedene malerische Doerfer alter Indianerstaemme, die in ihren kleinen Gaerten unglaublich viele exotische Fruechte anpflanzen! Leider konnte ich nur einen noch sauren Apfel vom Baeumchen klauen - die Reifezeit ist noch nicht angebrochen.
Auf dem Hauptplatz eines kleinen Doerfchens im Canyon. Die Bewohner des Colcas verfuegen ueber keine Moeglichkeit, sich ueber Strassen und mithilfe von Fahrzeugen fortzubewegen. Die langen Wege hinauf in die Stadt, wo sie ihre Fruechte verkaufen, und hinunter in ihre Doerfer legen sie ausschliesslich zu Fuss und mit Mulis, Eseln und Pferden als Lasttiere zurueck.Waehrend unseren Wanderungen trafen wir viele sehr alte Menschen, die sich auf ihren verstaubten Fuessen mit einfachen, zerfetzten Latschen immer noch taeglich auf den Weg machen! Unglaublich, welche Lasten sie tragen. Und beeindruckend, welche Freundlichkeit sie einem entgegenbringen!
Mit Mulis sich auch der Arzt bei Notfall-Einsaetzen fort. Ich brauche euch nicht zu sagen, dass dementsprechend viele Notfalleinsaetze schon keine Notfaelle mehr sind, wenn der Arzt eintrifft.

Ein Hinterhof eines fuer diese Region typischen mit Stroh gedeckten Adobe (Lehm-) haeuschens. Die auf mich zu rennende Bestie konnte mich nicht rechtzeitig vor dem Abdruecken bewahren, aber dann wurde Flucht ergriffen!
Die Wunderavocados! Einige deutsche Entwicklungshelfer wollten vor einigen Jahren die Region mit manipulierten Obst-Samen begluecken. So wurden durch Kreuzungen besonders grosse, leckere Aepfel und eben diese Avocados mit besonders cremiger Konsistenz gezuechtet. Die Folge dieser Arbeit ist, dass sich die Frau des damaligen Dorf-Buergermeisters diese bevorteilten Samen unter den Nagel riss und nun sozusagen als einzige "unter Lizenz" die besten Avocados der Gegend verkauft.
Eine typische Tracht des Colcas
Der Cruz del Condor - der beruehmte Aussichtspunkt, an dem morgens in der Schlucht fliegende Condore gesichtet werden koennen. Hier allerdings der Cruz del Condor ohne Condor - denn wir sahen nur einen einzigen chiquitito-winzigen Babycondor. Der Mirador ueberzeugte mich als von Touristen ueberfuellte Sehenswuerdigkeit, die ich weder schoen noch beeindruckend fand, ueberhaupt nicht.
Frauen breiten jeden Tag ihre Wolldecken mit Alpakka-Kleidung, Tonfiguren und anderen Touristenartikeln aus
Abschliessender Blick in das Tal - dieses wie die gesamte Landschaft rund um den Aussichtspunkt und im Canyon wunderschoen durch die vielen kleinen Doerfer!