www.reiss-aus.com und www.aroundtheworldticket.de

www.reiss-aus.com und www.aroundtheworldticket.de
Neidisch? Ihr wollt auch? Was haelt euch noch?

So weit so gut

07. 03. 2010 Köln, Hamburg, Köln, Hamburg, Köln, Hamburg, Köln, Hamburg...

Freitag, Februar 09, 2007

Moby Dick

"Un libro es un pájaro con más de cien alas para volar."
"Ein Buch ist ein Vogel mit mehr als Hundert Fluegeln zum Fliegen."
Ramon Gomez de la Serna

(Habe das Zitat gerade an der Aussenwand eines Buch-Shops gefunden)

Eine wirklich lange Durststrecke ist ueberstanden! Vor einigen Tagen rettete mich Moby Dick aus meinem Schlamassel. Denn ohne Buch, noch dazu, wenn auch der MP3-Player seit 2 Monaten fehlt...(kaputt, nach Hause geschickt) ui.
Da MUSS man ja verrueckt werden vom ganzen Nachdenken!
Es ist also nur ein logisches Ergebnis der Umstaende, dass ich mich vor kurzem aus verschiedenen Gruenden fuer einige Zeit, die ich nicht genau definieren kann, in einem tiefen Reise-ich-weiss-nicht-was-ich-will-Loch befand. Gruende? Weiss ich nicht so genau, vielleicht muede, viel Zeit alleine, kleine mit den Monaten so in den Gedanken angehaeufte natuerliche Schwierigkeiten und Anstrengungen vom reisen ueberhaupt, Geld fast weg...koennten die Gruende sein. Aus dem Loch bin ich jetzt wieder hinaus, dank meiner Eltern und Henning. Die mich, wenn sie egoistisch waeren und nicht so sehr wollen wuerden, dass ich gluecklich bin, wohl jetzt schon wieder daheim haetten. Aber es ist alles nochmal gut gegangen, ich bin hier, und folgendes habe ich so deutlich wie noch nie zuvor gespuert:

Manchmal muessen andere dein Gedankenwirrwarrknaeuel fuer dich entwirren. Und die innere Einstellung beeinflusst die Dinge, die dir passieren.

Denn ab dem Morgen vor 1,5 Wochen an, an dem es mir wieder besser ging und ich voller Reisewille aufwachte, passierten mir nur gute Dinge, ich traf tolle Leute und hatte eine ausnahmslos GEILE Zeit. Ich bin fest davon ueberzeugt, dass das nicht moeglich gewesen waere, wenn ich weiterhin wie vorher herumgerannt waere.

Also, Moby Dick. Ueberrascht mich! In dem Book Exchange im Hostel liess sich kein anderes Buch in einer Sprache, die ich lesen kann, finden. Hollaendisch, schwedisch, hebraeisch ist bisher einfach nichts fuer mich. Also griff ich zu Moby Dick mit einer Mischung aus "Na, jetzt muss ich nehmen, was ich bekommen kann" und "Vielleicht ist dieser Klassiker es ja wirklich wert".

Ich haette nie gedacht, ein so anders schoen und intelligent geschriebenes Buch bekommen zu haben. Und zum Weglachen!

Und da ich bereits jetzt nach 200 Seiten so viele interessante, witzige und irgendwie neue oder einfach wahre Denkweisen gefunden habe, lass ich euch an einigen mal teil haben. Allen voran uebrigens noch das Kompassnadel-Zitat aus meinem letzten Blog!

Achso, da ich gerade das Wort "wahr" geschrieben habe, faellt mir noch etwas ein, was ich unbedingt loswerden wollte: Ihr muesste oft einfach Nachsehen mit meiner Sprache haben, schliesslich arbeite ich ja gerade nicht und denken vor dem Tippen ist mir oft auch einfach zu anstrengend...das Reiseleben fordert doch schon genug von mir:)!
Beispiel:
Zitat aus meinem Eintrag "Das Paradies und Mein erster Caiprinha"
"Das seltsamste an diesen Schiffsreisen ist, dass nicht dieses verrueckte Leben und Verhalten oder die Anderen hier fremd sind, sondern das einzige Fremde in dem Ganzen ICH bin!"

Zitat eines chilenischen Mitreisenden, fuer mich das wahrste, was man ueber das Leben an Bord (und Reisen allgemein!) sagen kann.

Das wahrste? Wahr, wahrer, am wahrsten?

So, und nun zurueck zu Moby Dick.


Der Erzaehler ueber seinen Seefahrerkameraden, der gerade mutig einen Matrosen aus dem Meer gerettet hat.
"War sich jemals einer seiner Taten so wenig bewusst? Er schien nicht dfer Meinung, dass er sich von der Vereinigten Gesellschaft der Menschenfreunde eine Rettungsmedaille verdient habe. Er bat nur um Wasser, frisches Wasser, etwas um das Salzwasser abzuspuelen; als er das getan hatte, zog er trockene Sachen an, setzte seine Pfeife in Brand, und an die Reling gelehnt, blickte er nachsichtig ueber die Leute um ihn her, als ob er bei sich sagte:
Die Welt ist unter allen Breitengraden ein Unternehmen auf Gegenseitigkeit."


"Um so mehr, sage ich, weil man an einem Zipfelchen seines Koerpers frieren muss, um koerperliche Waerme wirklich zu geniessen. In dieser Welt gibt es naemlich keinen Zustand, keine Eigenschaft, die nicht erst durch ihr Gegenteil zu dem werden, was sie sind. Nichts besteht an sich."


"Aber um wahre Philosophen zu sein, sollten wir Sterblichen vielleicht nicht bewusst danach leben oder streben. Sobald ich hoere, dass ein Herr Soundso sich selbst fuer einen Philosophen ausgibt, schliesse ich daraus, dass in seinem Leibe die Saefte stocken wie im Kochtopf jener melancholischen Alten, die das Ruehren vergass."


"Mich duenkt, wir haben die Frage von Leben und Tod gewaltig missverstanden. Mich duenkt, was man hier auf Erden meinen Schatten nennt, ist mein eigentlicher Stoff. Mich duenkt, wenn wir geistige Dinge betrachten, gleichen wir allzusehr der Auster, die durchs Wasser hindurch die Sonne anschaut und das dichte Element fuer duennste Luft haelt. Mich duenkt, mein Leib ist nur der Bodensatz meines reineren Wesens. So nehme meinen Koerper, wer mag; jawohl, nehmt ihn nur, er ist nicht ich. Und darum dreimal hoch, und gehe das Schiff zu Bruch, gehe der Leib zu Bruch, wenns so geschrieben steht - denn meine Selle brechen kann selbst Jupiters Blitzstrahl nicht."


"(Das aber tat er bestimmt mit der groessten Unverfrorenheit,) Und wie alle Welt weiss, bedeutet nach Ansicht der meisten Leute unverfroren handeln dasselbe wie vornehm handeln."


"Die verbindliche Geschaeftigkeit, mit der ein Mann Geld in Empfang nimmt, ist kaum zu fassen - wenn man bedenkt, dass wir doch in vollem Ernst glaiuben, Geld sei dir Wurzel alles irdischen Uebels und ein reicher Mann koenne um keinen Preis ins Himmelreich kommen. Ach, wie frohgemut ueberliefern wir uns selbst der ewigen Verdammnis!"


Und was ich nun vorhabe?
"Und bewundernd warf ich mich ans Herz des Meeres, das keine Spur bewahrt."
Genau das, und zwar mit einem Caipi! Ciao!

Keine Kommentare: