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07. 03. 2010 Köln, Hamburg, Köln, Hamburg, Köln, Hamburg, Köln, Hamburg...

Dienstag, Februar 06, 2007

delfine! dolphins! delfínes! golfinhos!


"Ist es vielleicht die magnetische Anziehungskraft der Kompassnadeln auf den vielen Schiffen, die die Menschen zum Meer zieht?"
Herman Melville, "Moby Dick"


Ich muss es eben schnell ohne grossartige Einleitung herausposaunen: Ich bin heute mit Delfinen im Meer geschwommen! Ich bin immernoch total verliebt!

Hier in Praia da Pipa, einem zum beliebten Touristenziel mutierten kleinen Fischerdoerfchen mit wunderschoenen Straenden gibt es eine Bucht mit dem vielversprechenden Namen "Praia dos Golfinhos" - Strand der Delfine.
Morgens um 10 soll die beste Zeit sein, Delfine auf ihrer Jagd nach Fischen in Strandnaehe zu beobachten. Unsere Information war, man haette nachmittags mehr Glueck... Aber es ist anscheinend auch total egal, denn nach vielleicht einer Stunde Herumplantschen im Meer und Buch lesen am Strand zeigten sich die ersten Tiere. So nah! Wir sind direkt ins Wasser gejumpt und so weit herausgeschwommen, bis wir in 4-10 m Entfernung hinter, vor und neben uns die Delfine aus dem Wasser auftauchen sehen konnten. Den ganzen Koerper, Wasser spruehend! Einmal sah ich drei Delfine gleichzeitig wie bei einer Show: Erst zeigte sich einer, dann der zweite, dritte, bis schliesslich alle drei ihren Ruecken und -Flosse zeigten und sehr langsam gleichzeitig wieder ins Meer tauchten. WOW!

Am Strand werden Bootstouren fuer 25 Reais (ca. 12 Dollar) verkauft, man wuerde 1 Stunde lang die Kueste entlanggurken und anschliessend vom Boot aus die delfine beobachten. Ha! dachten wir uns, latschten einfach selbst in 10 Minuten den Strand entlang zur Bucht, sprangen ins Wasser und waren viel naeher dran als die Bootsgaeste! Das nur mal als Beispiel dafuer, dass man 90 % aller Angebote gruendlich hinterdenken und einfach selbst durchfuehren kann...vor allem sollte natuerlich, wenn man auf schmalem Budget reist.

Ooooooooh es war sooooo schoen! Morgen gehts gleich wieder hin, um 10!

Uebrigens wohne ich hier in einem Apartement mit zwei Belgiern, zwei Chilenen und einer Brasilianerin. Die Belgier lernte ich in Canoa Quebrada kennen, dem letzten kleinen Strandort, in dem ich war. Dort wohnten wir bereits gemeinsam fuer 3 Tage in einem Apartement ausserhalb der Tourizone des Dorfes in dem urspruenglichen Teil, Canoa Quebrada, wie es frueher einmal war: ein ganz kleines, einfaches Fischerdoerfchen.
Wir hatten echt viel Spass zusammen, jeden Tag baden, baden, baden und Cocktails.

Einen Tag mieteten wir uns einen Sandbuggy, mit dem wir die Kueste entlangfahren wollten. Wir tankten fuer 50 Reais, fuhren in die Stadt, um Bustickets fuer den naechten Tag zu kaufen, danach an den Strand. Der Strand Canoa Quebradas ist gesaeumt von roten, hohen Sandduenen in den wildesten Formationen und unser Ziel war eine Riesenklippe, die wir weiter weg sehen konnten. Nach ca. 20 km Strandfahrt - die Jungs auf den einzelnen Sitzen, ich hinten auf dem Buggy - ging der Motor einfach aus und auch nicht wieder an. Benzin hatten wir noch, aber eventuell kein Oel? Oder Motor kaputt?
Kein Mensch weit und breit, und wir standen mit dem Buggy auf einem schmalen Strand, der zur Landseite von hohen Klippen begrenzt ist. 20 km zum Ort. In etwa einer stunde waere das Wasser bis zu den Klippen gestiegen und haette an den Klippen eine Hoehe von 1 m erreicht. Ups! Wohin mit dem Buggy? Wie zurueck kommen? ...Schieben! Wir schoben den Buggy also durch die Hitze, wussten auch nicht so richtig, ob wir lachen oder fluchen sollen. Immer wieder kamen wir an kleinen Haeusern vorbei und animierten alle Kinder und Jugendlichen, uns zu helfen. So schoben irgendwann 12 Mann den Wagen den Strand entlang.
Wir suchten eine Strasse, in der wir den Buggy abstellen, zuruecklaufen und Hilfe holen koennen. Die Strasse kam nicht.
Dafuer nach einer halben Stunde ein Schwarm Buggys von einem Ausflug zurueck, juhu!
Wir wurden bis nach Canoa zurueckgezogen und haben den Buggy natuerlich nicht gezahlt. ergebnis der Untersuchung war uebrigens, dass der Motor vollkommen hinueber war!

Spass hat es trotzdem gemacht und die Cocktails am Abend hatten wir uns wirklich verdient...

All diese kleinen Doerfer werden immer touristischer. Dabei kommt es natuerlich immer darauf an, wie sehr man sich in das Getuemmel stuerzen moechte oder doch lieber etwas abseits an den stillen Straenden relaxt und abends dann in die Strandbars zurueckkehrt. Aber hier wimmelt es nicht nur von Gringos! Etwa 50% der Touristen sind Brasilianer, die durch ihr eigenes Land reisen - ist ja auch riiiiesiggross und fast schon ein eigener Kontinent.
In Canoa lernten wir einen Hollaender kennen, der Riesengewinne mit dem Handel von Grundstuecken macht. Er kauft sie guenstig, klaert all die Rechtsangelegenheiten, bereitet alles nett auf und verkauft sie wieder an europaeische Investoren. Der Markt boomt:
Zwischen Fortaleza und Natal werden in den naechsten 5 Jahren 21 neue Hotelresorts gebaut.

Dabei ist sein Job nicht so einfach. Zwei Tage vor unserer Ankunft in Canoa mussten 10 Auslaender ihre Haeuser oder Hotels raeumen, da das Grundstueck, das sie vor einigen Jahren von einem Brasilianer erworben hatten, rechtmaessig gar nicht ihnen gehoerte. Es gibt zwar beglaubigte Verkaufsurkunden, doch kennen die Brasilianer alle moeglichen Tricks, an gutes europaeisches Recht gewoehnte Auslaender reinzulegen. Und dann gibt es noch bestochene Notare, Anwaelte...
Er erzaehlte uns noch mehr Stories, dass einem die Ohren schlackern (HA!).

Ja, wo war ich...achso, Praia da Pipa.
Es macht total viel Spass mit den verschiedenen Menschen im Apartement, wir haben eine Kueche und koennen so guenstig leben. Ausserdem eine riesige auf drei Seiten umlaufende Veranda mit Haengematten!

Da ich die drei Naechte in Canoa bereits in einer Haengematte in der Wohnung schlief (in vielen Wohnungen sind einfach Haengemattenhaken in die Waende eingebaut, viele Menschen schlafen ihr Leben lang in Haengematten!), konnte ich das meinem Ruecken und meiner Schlafruhe echt nicht mehr antun.

Wir verfrachteten also unsere Matratzen auf die Veranda und schliefen wie Engel in dem frischen Meereswind!
Bis ich heute morgen von einem lauten, regelmaessigen Geraeusch geweckt wurde. Ich oeffnete meine Augen und sah eine Palme...kippend...fallend... Ist das etwas der Restalkohol von gestern abend?
Ach nee, da wurden tatsaechlich am fruehen Morgen zwei schoene grosse Palmen vor unserem Haus gefaellt.

So, mit diesen Neuigkeiten lass ich euch jetzt mal wieder alleine und begebe mich mit meinem Moby Dick-Buch zurueck in meine Haengematte!
Achso, vorher kaufe ich mir noch einen Liter Eiscreme, den ich da mit rein nehme! Juuuuuuhu

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